Lea goes Turkey

Auslandssemester in Mersin

03Januar
2011

Zwischen Istanbul und Opferfest

Montag, 25.10.2010 bis Freitag, 29.10.2010

In der Woche ist nicht viel passiert. Als ich gerade einkaufen gehen wollte, war Stromausfall. War schon witzig, man sitzt im Bus und auf einmal ist der ganze Stadtteil dunkel. Wobei, nicht ganz dunkel. Keine Ahnung, ob die an eigenen Generatoren hängen oder so, aber hier und da war der erste Stock noch beleuchtet oder auch mal ein Geschäft, aber meistens irgendwelche Werbung oder Schilder vom Laden. Ein neues Mysterium: Woher haben diese Sachen Strom und wenn es gewollt ist und von einem Generator gespeist wird, warum in alles in der Welt lässt man ein Schild leuchten, aber den Laden selbst im Dunkeln?
Naja, auf jeden Fall sind alle da ziemlich cool mit umgegangen. Manchmal saßen die Verkäufer einfach vorm Laden und haben Tee getrunken, aber die meisten Läden hatten eine Kerze und haben die, die noch in die Läden wollten, hatten dann ein bisschen Candlelight-Shopping, sehr romantisch... Und unpraktisch, man sieht ja trotzdem nicht so viel, wenn alles draußen dunkel ist.
Der Laden, in den ich wollte, hatte keine Kerze, aber dafür habe ich ja immer eine Taschenlampe bei mir. Ich wusste, dass es sich noch mal auszahlt! *selbstzufriedenesGrinsen*

Am Donnerstag gab's dann Tauchtheorie. Ich muss gestehen, dass ich mal wieder so müde war, dass ich etwas weggenickt bin... aber zu meiner Verteidigung: Ich habe das ja auch alles schon mal gelernt.


Samstag, 30.10.2010 und Sonntag, 31.10.2010

Morgens sind wir losgefahren zu unserem Tauchort. Aber die Organisatoren sind solche Pappenheimer! Nicht nur, dass ich um 23.30 am Mittwoch erfahren hatte, dass ich am nächsten Tag bis zur Tauchtheorie ein Foto und eine Gesundheitsbescheinigung brauchte (was dann aber kein Problem war, weil der Campus-Arzt mir das unterschrieben hat, nachdem er mich ungefähr 2 Sekunden angeguckt hat). Nein, wir hatten auch ausgemacht, dass ein weiterer Schlafsack für mich mitgebracht würde, den ich natürlich hier nicht habe. Aber nicht, dass der, mit dem ich das abgemacht hatte, den Schlafsack vergessen hätte: Er konnte sich nicht einmal daran erinnern, dass wir überhaupt darüber gesprochen hatten! WTF???
Abgesehen davon hatten wir auch noch abgemacht, dass ich im Bus schlafen könnte (weil natürlich auch kein Zelt), aber davon war dann auch keine Rede mehr, denn es sollte keiner im Bus schlafen außer dem Busfahrer. Auch dieser Teil unserer zwei Tage vorher stattfindenden Konversation ist wohl irgendwo im Gedächtnis-Nirwana meines Gesprächspartners verschwunden, ich hoffe, dass es wenigstens ein gutes Karma hatte, damit es nicht irgendwann als Gedächtnis-Wurm wiedergeboren wird. Obwohl...
Um einen kleinen Teil schon mal vorweg zu nehmen: Letztlich sollte ich mit drei anderen Mädels in einem Zelt schlafen und dachte, dass es dann vielleicht nicht so kalt würde (kalter Wind).
Letztlich ist es darauf hinausgelaufen, dass ich als Einzige im Zelt geschlafen habe und die anderen im Bus. Super. Das habe ich mal wieder davon, dass ich mich nicht so von Gruppen abhängig mache und zwischen zwei Gruppen zum Zelt gegangen sind. Die erste Gruppe ist nämlich gleich zum Bus gegangen, aber ich habs nicht gecheckt, und die andere Gruppe nach mir auch. Nur ich habe mir im Zelt den Arsch abgefroren, weil alleine in einem Iglu kann verdammt kalt sein. Wenigstens hatte ich vorher darauf bestanden, dass ich einen Schlafsack brauche und so hatte ich wenigstens wenigstens einen Schlafsack und eine Iso-Matte. Und Leggings. Und Jogginghose. Und Top und T-Shirt und Pulli und Stricktunika. Und drei Paar Socken und Stulpen. Ich hoffe, der Vergessliche im Bus hat mit meinem dünnen Deckchen im Bus genauso gefroren.
Ansonsten haben wir an dem Tag nur kurz in der Bucht getaucht und Zeichen geübt. Brrr, war das eisig, den nassen Neo anzuziehen und nachher nass im kalten Wind zu stehen. Aber das Wasser hatte eine gute Temperatur. Nur das nächste Mal werde ich Ketchup mitbringen. Wer kommt auf die Idee, allen möglichen Kram zu essen zu kaufen, aber dann gibt es zu Mittag zerkochte Nudeln pur?? Wenigstens haben sie mir abends am Feuer ein Geburtstagsständchen gesungen und es gab Kuchen, mit zwei romantischen Streichhölzern als Kerzen...
Der zweite Tag war aber besser. Wir sind mit dem Boot zu einer kleinen Insel gefahren. Zuerst haben wir an der flachen Seite der Insel getaucht. Danach sind wir um einen Felsen geschwommen und waren auf der anderen Seite der Insel, wo es auf einmal nicht mehr 5-6 Meter tief war, sondern man nur noch ins Blaue guckt, bis es irgendwann schwarz wird und an der Steilklippe entlang, die über Wasser nach oben und unter Wasser nach unten die einzige Begrenzung ist.
Ich hatte nicht erwartet, dass es mich so viel Überwindung kosten würde, über diesen Abgrund zu tauchen. Klar, man kann nicht runterfallen, aber es fühlt sich trotzdem so an. Und das Gefühl, da unten könnte alles sein von einem Laternenfisch bis zu einem Blauwal (jaja, ich weiß, nicht sehr wahrscheinlich), ist schon komisch. Vor allem, wenn man unten noch die Silhouetten von Fischschwärmen sieht. Egal, wie unwahrscheinlich es ist, dass man wirklich mal einem großen Fisch oder Wal begegnet (zumindest an der Stelle, wo wir getaucht sind), wenn du weißt, dass dich absolut nichts davon trennt außer deinem Neo, das ist auch nicht unbedingt angenehm.
Vielleicht liegt es daran, dass man in einer Umwelt ist, wo Menschen nicht alles geformt haben. Ich meine, in besiedelten Gebieten sind Großsäugetiere ja nicht mehr besonders üppig, außer vielleicht die domestizierten. Das ist vielleicht so ähnlich, wie wenn man sich im Dschungel verläuft.
Denken und Hände müssen schon ein ziemlicher Überlebensvorteil sein. Wie hilflos sind Menschen ohne Kleidung im Winter oder ohne Waffen in der „Wildnis“. Tja, sehr philosophisch. Aber zu erleben, wie man wirklich in einer Umwelt ist, wo nicht alles nach meinen Bedürfnissen geformt ist und man eigentlich ziemlich hilflos ist, wenn es hart auf hart kommt, gibt schon zu denken...
Außerdem ist es gar nicht so einfach, zu schätzen, wie tief man gerade ist. Plötzlich schaust du auf den Tiefenmesser und merkst, dass du auf einmal 4-5 Meter tiefer bist als vorher...
Aber es war geil. Und ich habe einen Trompetenfisch gesehen. War vielleicht auch ein Flötenfisch. Auf jeden Fall ein langer, grauer Fisch mit einer Nadelspitze. Und eine Seeschnecke, deren Haus so groß war wie meine beiden Hände.

Montag, 01.11.2010 bis Donnerstag, 11.11.2010

Ich habe mir endlich eine Decke gekauft, die nicht nur so dick ist wie ein Bettbezug. Langsam wird es nachts doch ein bisschen kühl. In dem Laden habe ich in der Kinderabteilung etwas Beruhigendes gesehen. Erinnert ihr euch noch, wie niedlich Puppenkleidchen sein können? Rosa, mit Rüschen, vielleicht ein bisschen weiß oder ein bisschen Glitzer? Wie langweilig! Macht Platz für Babypuppen in Militäruniform! Ich hatte meinen Fotoapparat nicht dabei, sonst hätte ich einfach eins gemacht, aber das ist echt unglaublich! Eine BABYPUPPE in Tarnkleidung? Als süßes Detail hat sie eine khakifarbene Mütze dazu! Wolltet ihr nicht auch schon immer einem kleinen Soldaten die Flasche reichen? Vielleicht hat sie auch eine Pipi-Funktion, aber wahrscheinlich nicht. Echte Soldatenbabys pinkeln nicht in ihre Tarnkleidung!

Am Mittwoch war ich zum ersten Mal alleine auf dem Markt. Ist aber ganz gut gelaufen. Jetzt, wo es nicht mehr so heiß ist, ist es auch ein wenig ruhiger und es kommt mir auch nicht so gedrängt vor. Ich habe für meine Geburtstagsfeier am Donnerstag eingekauft. Ich habe mir gedacht, ich mache eine Mischung aus deutschem Kindergeburtstag und Bad Taste Party. Den Geburtstag mit Kinderspielen wollte ich sowieso machen, so ein bisschen Kultur mal anders. Die Bad Taste Party ist dazu gekommen, weil ich den ultra-hässlichsten Gürtel gefunden habe, den ich jemals gesehen habe! Zehn Zentimeter transparentes Plastik mit quitschgelber Plastikschnalle! Der war so hässlich, dass ich den einfach haben musste :) (hmmmm, ich glaube, ich sollte diesen Drang, die hässlichsten Sachen zu kaufen, mal ins Gegenteil verkehren...). Aber ich habe mir gesagt, den kaufe ich nur, wenn ich auch etwas damit mache. Naja, und damit dann halt Bad-Taste-Kinder-Geburtstag. So viele Spiele haben wir dann leider nicht gespielt. Nur aus dem Luftballon-Zertreten-Spiel ist etwas geworden, aber dann haben die beiden Studenten(!) unter uns sich beschwert, es sei zu laut. Hier beschwert sich eigentlich nie jemand über etwas, um Mitternacht Möbel zu rücken scheint auch kein Ding zu sein.
Danach waren meine Gäste zu sehr damit beschäftigt, mit den Luftballons zu spielen.
Das scheint hier sowieso ein Objekt der Begierde zu sein.
Ganz stilecht habe ich den Weg mit Ballons markiert (gibt ja auch keine Straßenschilder hier und so eine Detailwegbeschreibung auf Türkisch ist gar nicht so einfach.
Beim Aufhängen kam mit plötzlich eine Frau mit Luftballon entgegen und ich habe sie gefragt, ob sie die gerade irgendwo aus einem Baum gepflückt habe und sie meinte, dass die Frisörin ihr die gegeben habe. Bitte? An der Stelle habe ich die erst vor einer Minute aufgehängt! Die Frau muss mich gesehen haben (von ihrem Platz aus konnte man die eigentlich nicht sehen) und dann gleich nach mir wieder hingegangen sein, um die Ballons da wegzuholen!
Was denkt die eigentlich, was ich da mache?? Das mich irgendeine Laune gepackt hat und ich jetzt aus Spaß an der Freude Luftballons in Bäume hänge!?!
Und als ich ihr gesagt habe, dass ich Geburtstag feiere und die als Zeichen für meine Freunde brauche, wollte sie mir die erst trotzdem nicht wiedergeben.
Die andere Frau hatte mich gefragt, ob sie den Ballon trotzdem für ihre Tochter mitnehmen kann und na klar, ich habe ja genug. Aber die Frisörin hat einfach gar nicht darauf reagiert, als ich gesagt habe, dass ich die brauche. Naja, als ich dann nicht weggegangen bin, hat sie mir die dann nach kurzer Zeit gebracht, aber so was...
Naja, zum Abschluss habe ich ihr gesagt, dass sie die gerne um 10, wenn alle Gäste auf jeden Fall da sind, haben kann. Da hat sie nur etwas mürrisch genickt. Ich glaube, sie hat sich auch ein bisschen ertappt gefühlt. Die Ballons haben aber trotzdem nicht sehr lange gehalten. Kinder habe ich an dem Abend keine gesehen, aber vielleicht haben auch die Erwachsenen sie alle von den Bäumen und Zäunen und Lampen genommen. Tja, da hat es wohl nicht geholfen, dass ich auf darauf geschrieben habe, dass es ein Wegweiser ist und bitte noch hängen bleiben soll...
Das ist echt seltsam. Du kannst hier alles auf der Straße stehen lassen und nichts kommt weg. Du könntest wahrscheinlich sogar deinen Goldschmuck auf die Straße legen und er wäre noch da, wenn du von der Arbeit kommst. Aber Luftballons nicht?
Die Party war trotzdem lustig, nachdem ich dann endlich per Handy alle Leute zu unserem Haus gelotst habe. Aber ich war froh, dass sie nicht so lange gedauert hat, ich war echt ziemlich fertig.
Für das Essen habe ich Auberginen zu einem Kochhaus – oder wie man das nennen will – gebracht. Das kannte ich vorher nicht, ich dachte immer, das wäre ein Restaurant oder so. Aber da kann man sein Gemüse oder Brotteig oder was auch immer hinbringen und die kochen/backen das dann überm Holzfeuer. Das war total toll, diese Auberginen mit Jogurt und diesem Hauch von Rauch!
Sehr praktisch. Hätte mich umgerechnet 50 Cent gekostet, aber da es für meinen Geburtstag war habe ich es geschenkt gekriegt.


Die nächste Woche war irgendwie die Preiset-Lea-Woche. In Lernpsychologie hatte ich die Hausaufgabe zu letzter Woche noch abzugeben und habe es zusammen mit zwei anderen in der Pause abgegeben, weil was in der Hausaufgabe nicht gepasst hat. Die Frage war, warum es keine spontane Erholung bei konditionierter Geschmacksaversion gibt (das schreibe ich hier jetzt nur hin, weil es schlau klingt. Aber vielleicht sollte ich es auf Englisch schreiben, „Erholung“ klingt blöd...)
Auf jeden Fall habe ich in den Studien genau das Gegenteil gefunden, sonst hätte ich ihr das alles einfach nach der Vorlesung in die Hand gedrückt.
Damit habe ich drei Hausaufgaben auf einmal abgegeben, aber bei der einen meinte sie, was das wäre. Sie hatte zwei Hausaufgaben aufgegeben, aber die eine total vergessen, genauso wie der Rest der Klasse, womit ich die Einzige war, die diese Hausaufgabe gemacht hatte. (wow, Uni ist hier so sehr wie Schule, dass ich immer wieder wie von Schule rede. Manchmal sage ich auch aus Versehen, dass ich zur Schule muss...).
Es wäre ja auch nicht so tragisch gewesen, wenn die Lehrerin das nicht zum Anlass genommen hätte, der ganzen Klasse zu sagen, was für eine tolle Studentin ich doch sei. Und so gewissenhaft. Und dass die anderen mich mal als Beispiel nehmen sollten. Oh Mann, hätte ich das geahnt, hätte ich ihr den Kram einfach am Ende auf den Tisch geschmissen und nicht mehr nach der Geschmacksaversion gefragt. In dem Moment schien sie auch völlig vergessen zu haben, dass ich meistens nicht so richtig mitkriege, wann was abgegeben werden muss und deswegen die meisten Sachen zu spät abgebe.
Ich wäre ja noch darüber hinweggekommen, wenn nicht am Donnerstag fast genau das Gleiche passiert wäre! Und auch noch in derselben Klasse! Ich habe vier Vorlesungen, aber nur zwei davon in der gleichen Klasse. Und genau das ist die zweite der beiden Vorlesungen, in denen wir Hausaufgaben aufkriegen. Ich hatte eine Hausaufgabe von vor drei Wochen abgegeben, weil ich einmal gefehlt hatte und danach zwei Mal ausgefallen war (wir haben ja auch Anwesenheitspflicht und man darf nur vier Mal fehlen).
Ich wollte das ja am Ende abgeben, aber dann hat der Lehrer es beim Rumgehen auf meinem Tisch gesehen und musste dann natürlich auch noch mal vor der ganzen Klasse sagen, was für eine fleißige Studentin ich doch sei. Ist wahrscheinlich alles nett gemeint, aber MUSS DAS SEIN?
Als ich Feriha hinterher gefragt habe, meinte sie aber, dass das normal ist.
Wie ihr wahrscheinlich wisst, ist es mir meistens nicht peinlich, aufzufallen, aber hier in der Türkei habe ich einen wichtigen Unterschied gelernt: Wenn ich mich dafür ENTSCHEIDE, auffällig zu sein, ist es kein Problem und meistens habe ich auch Spaß dabei, aber ICH HASSE ES, mit Dingen aufzufallen, bei denen ich mich nicht selbst dafür entschieden habe – seien es blonde Haare oder gemachte Hausaufgaben.

Dienstag war ein absoluter Scheiß-Tag! Ich habe 5kg Bücher für mein Essay mit mir rumgeschleppt („Bring mal alle englischsprachigen Bücher über Psychoanalyse mit, die du in der Bücherei findest“), nur damit mich die Lehrerin dann versetzt, so dass ich dann noch 3 Stunden auf diesen Scheiß-Türkisch-Kurs warten muss, bei dem ich sowieso nichts lerne und wo ich überall anders lieber hinginge als dahin. Und dann habe ich erfahren, dass ich doch nicht mit Birsu über die Opferfest-Ferien nach Izmir fahren kann, weil Full House. Danke, dass du mir das nicht sagst, sobald du es wusstest, sondern wartest, bis ich frage, wann du fahren willst! Damit hatte ich dann zwei Tage, um eine neue Ferienplanung zu machen. Super.
Dafür bin ich abends dann mit Julia ins Kino gegangen und danach haben wir am Meer noch ein Bier getrunken. Bis dahin war meine Laune dann auch schon wieder besser.

 

Keine Ahnung, warum das Foto mit dem Geburtstagskuchen so oft auftaucht. Bei mir ist es nur einmal in der Liste...

 

abendlicher CampusHalay und Bandeinfach einen großen Raum mieten...... dann wird auch fleißig getanztRecycling auf TürkischHagia SophiaAyca, Sultan und ich in der AyasofyaSultan-Ahmet-MoscheeAyca, Sultan und ich vor der Sultan-Ahmet-Moscheedas im Hintergrund ist *die* Brücke über den Bosphorusein bisschen Turi muss auch mal seinDer türkische Ableger des schwarzen Blocks :DNach unserem Luxus-Restaurant-BesuchVorm KonzertFischer auf der BrückeStraßen-Dekoration alaturcaein verfrühter Burzeltag-Kuchen von Elifdas Meer bei Bogsakjaja, Zelt aufbauen kann so leicht sein...Auf dem Weg zum zweiten TauchgangTauchöööönDas Wasser ist nur im Blitzlicht so dreckig :)Feuerholz sammelnBad-Taste-Kindergeburtstag

30November
2010

Arabische Hochzeit und Konferenz in Istanbul

Freitag, 15.10.2010 und Samstag, 16.10.2010

War mir meiner Mitbewohnerin, ihrem Freund und dessen Familie auf einer arabischen Hochzeit. Hochzeiten gehen hier normalerweise drei Tage, aber ich bin nur an zwei Tagen hingegangen. Hochzeiten sind hier echt anders, aber vielleicht liegt es auch daran, dass die Leute hier einfach kein Geld dafür haben. Es wird ein großer Raum gemietet, Stühle im Kreis hingestellt und am ersten Abend kam diese 2-Mann-Band, die hier auf jeder Hochzeit spielt (mit Trommel und so einer Art Klarinette) und am zweiten Abend so eine 2-Mann-Hochzeits-Band. Essen gibt es nicht, aber das scheint hier auch nicht üblich zu sein. Am ersten Abend kam ein, zwei Mal jemand mit Cola vorbei, aber am zweiten Abend in dem großen Saal war praktisch Selbstversorgung, zumindest hatten die meisten ne kleine Wasserflasche dabei.
Aber das war das Schöne daran: Keiner meckert. Stellt euch vor, auf einer deutschen Hochzeit gäbe es kein Essen und man müsste Trinken selber mitbringen. Also im Grunde sind die einzigen Investitionen des Brautpaares der Saal und die Kleider und wahrscheinlich die 2 Klein-Busse, die die Leute dahin gefahren haben, weil es ein bisschen außerhalb war und die meisten – glaube ich – kein Auto haben (aber vielleicht lief das auch wie meistens hier: Jemand kannte jemanden, der jemanden kannte, der Busfahrer ist und alle fährt).
Aber es war echt cool, wie viel Spaß die alle haben, obwohl es natürlich auch keinen Alkohol gibt :)
Und hier gibt es auch noch Gruppentänze, das war auch cool, aber nach einiger Zeit auch ein bisschen anstrengend.
Nur die Musik war SO laut! Unglaublich. Ich schleppe ja immer allen möglichen Kram mit mir rum und zum Glück hatte ich Ohrstöpsel dabei, die ich dann mit einem Haarband versteckt habe, aber selbst 30 Dezibel leiser war immer noch ziemlich laut. Aber zumindest haben mich die 30dB weniger davor bewahrt, mit summenden Ohren nach Hause zu fahren so wie alle anderen...


Mittwoch, 20.10. bis Sonntag, 24.10.2010: Konferenz in Istanbul

Nach der großen Ehre (haha), die „Ergebnisse“ aus Eskişehir in Istanbul zusammen mit einer anderen vorstellen zu dürfen, habe ich am Dienstag (= am Abend vorher) erfahren, dass ich am nächsten Tag fliege und dass wir formelle Kleidung benötigen. Und weil ich ja nur für diese Konferenz gelebt habe, habe ich natürlich sofort alles stehen und liegen gelassen, um mir formelle Kleidung zu besorgen (dafür habe ich mal welche).
Istanbul war echt kalt und ich war halb krank (dicke Erkältung und halbe Nasennebenhöhlenentzündung). Deswegen war ich auch nur auf den Pflichtparties mit und habe ansonsten in jeder freien Minute geschlafen (ok, ganz so schlimm nicht, aber es war schon blöd).
Wenigstens waren Burcu und ich als Letzte am ersten Tag mit der Präsentation dran, da konnten wir wenigstens mal so gucken, was die anderen machen und das überhaupt erstmal vorzubereiten.
Mit wurde nämlich gesagt, wir sollen die Diskussionsergebnisse vorstellen, aber Burcus Koordinatorin meinte, wir sollen über unser Sight-Seeing betrachten (ähm, wen interessiert das?).
Naja, eigentlich war das wohl nur dazu da, dass wir uns bedanken und sagen, wie toll das alles war und so, ansonsten war es – glaube ich – völlig egal, was wir da vorstellen.
Abends waren wir für Essen und Party in so einem fancy Club, den die mal komplett für uns gemietet hatten inklusive Band. So kleiner Schicki-Micki-Club, wo das Essen daraus besteht, dass die ganze Zeit Kellner mit kleinen Häppchen durch die Gegend laufen. Aber irgendwann war ich sogar satt, das hatte ich gar nicht erwartet.
Die Band war auch ziemlich cool, wobei mich meine Nasennebenhöhlenentzündung davon abgehalten hat, mit in der Menge herum zu springen (weil au).

Am nächsten Tag gab es noch ne Runde Pseudo-Diskussionen. Und wieso endet es immer damit, dass ich bei solchen Sachen die Ergebnisse vorstelle, obwohl andere Lust dazu haben und ich meistens nur so etwas sage wie: „Pff, keine Ahnung, ist mir eigentlich egal“.
Ok, wäre das etwas, worauf keiner Bock hat, dann ist es ja klar, aber selbst die, die vorher sagten, sie möchten das machen, sagen dann irgendwann: „Hey, würdest du nicht doch...?“
Naja, auf jeden Fall hatte ich nach meiner übermäßigen Partizipation schon die Befürchtung, ich würde als eine von den Fünfen ausgewählt werden, die zur Bosphorus-Konferenz gehen „dürfen“, aber das hat sich dann zum Glück nicht bewahrheitet.
Mal ehrlich: Sight-Seeing vs. Rumsitzen und Leuten zuhören, die auf den letzten zehn Konferenzen genau die gleichen Sachen gesagt haben? … Genau!
Ok, das mit den letzten zehn Konferenzen habe ich erst hinterher erfahren, weil sich einer von den Fünfen etwas ausgiebiger mit einem CNN-Journalisten unterhalten hatte, der meinte, dass er in den letzten zwei Jahren auf zehn solcher Konferenzen war und sich teilweise nicht mal der Wortlaut ändert.
Am Nachmittag waren wir dann im Museum. Eigentlich war nur das Istanbul Modern Art Museum vorgesehen, aber nebenan waren gerade die Körperwelten, da sind wir spontan in beide gegangen. 45 Minuten Körperwelten, 45 Minuten Modern Arts. So richtig Spaß gemacht hats nicht.
Aber haha, sehr schön, im Körperwelten steht auch ein Reiter auf seinem aufbäumenden Pferd. Majestätisch überragen sie alles und jeden, auf ewig erstarrt. Nur des Reiters linker Hoden schaukelte sanft im Winde der Klimaanlage.
Sehr poetisch.
Im Modern Arts Museum habe ich noch zufällig drei aus meinem Ankara-Kurs getroffen, das war eine nette Überraschung.
Abends waren wir auf so einem Bürglein mitten im Meer (Kızkulesi), was heute ein ziemlich luxuriöses Restaurant ist (naja, ich musste ja nicht bezahlen).
Da kam dann auch die formelle Kleidung zum ersten Mal zum Einsatz, wobei, als ich gesehen habe, was so als „formell“ durchgeht, hätte ich auch nicht noch extra was kaufen müssen.
Bereuen tue ichs aber nicht, habe ich doch jetzt ein hübsches, neues Kleid, meinen ersten schicken Trench-Coat und meine erste dazu passende schwarze Clutch.
Hab auch extra ein Foto davon machen lassen, vor allem für dich Birgitt, ich dachte, es freut dich vielleicht, wenn ich mal ein bisschen – haha, das erste Wort, was mir eingefallen ist, ist „unsportlich“ – schick aussehe :)

Am nächsten Morgen gab es dann Sight-Seeing, wir waren in der Sultan-Ahmet-Moschee, im Topkapı-Palast und in der Hagia Sophia, die liegen da alle auf einem Haufen (vorgesehen: 3Std inkl. 1,5 rumstehen und auf Karten warten).
Eigentlich waren für den Nachmittag (= 1,5 Stunden!!) noch zwei(!) Museen vorgesehen, aber ich haben uns mal ganz spontan geweigert und sind dafür den ganzen Nachmittag auf dem Berg geblieben, aber letztlich sind wir trotzdem praktisch durch den Topkapı-Palast gerannt, weil wir trotzdem nicht genug Zeit hatten.
Abends gab es wieder so ein Cocktailhäppchen-Dinner (und zum zweiten Mal formelle Kleidung) vor einem Flöten-Konzert. Das war echt ziemlich cool.
Der tschechische Botschafter saß neben uns und hat freudestrahlend seine Karten verteilt („falls wir mal was brauchen“) und uns mit Anekdoten aus dem Botschafter-Alltag erheitert.
Am Sonntag ging es dann morgens wieder zurück. Vorher hatte ich ein bisschen Angst weil die Nasennebenhöhlenentzündung Richtung Ohren gezogen ist und wir ja geflogen sind, aber ging ja alles gut. Wobei es ab und zu Turbulenzen gab, weshalb ich die Hälfte des Fluges damit verbracht habe, Sultans und Ayças Hände zu halten, weil die beide Flugangst haben (das wird ganz schön unbequem nach einiger Zeit!).

 

Fotos muss ich nachher oder morgen noch reinstellen. Ich treff mich gleich mit Julia und bin spät dran...

10November
2010

Konferenz in Eskisehir, Teil 3

So, hier der letzte Teil...

Abends war dann noch mal Party. Eine aus meiner Gruppe interessierte sich für Kristof aus meinem Kurs in Ankara und bat mich, Kontakt herzustellen, so Telefonnummer rausfinden und so. Hab ich dann auch alles brav gemacht und letztlich haben wir an dem Abend auch wieder mit denen zusammengefeiert. Und da hat sich dann erhärtet, was ich schon vorher mal vermutet habe: Balzrituale und so sind einfach echt unterschiedlich. Es ist sehr nervig, wie offen und direkt einfach Leute auf dich zukommen und meinen: Hallo, hast du nen Freund?
Nicht, dass es die stört, wenn man ja sagt, die beste Antwort bei ner Freundin war: Ja, aber man sollte doch in jeder Stadt einen haben...
Ich dachte, dass wäre so ein männliches Ding hier, aber es scheint auch auf die Frauen zuzutreffen, in abgeschwächtem Umfang. So auf die Pelle rücken. Erstmal scheint der Abstand, den man zu fremden Leuten hält, geringer zu sein (was an sich schon mal unangenehm ist und nur marginal leichter zu ertragen ist, wenn man darüber in Psychologie was gelernt hat) und dann auch die Art des Sprechens, ich kann es nicht genau erklären, aber ich hätte ihr nach 30 Sekunden schon sagen können, dass das so nichts wird und Kristof trotz Anfangsinteresse kurz vorm Flüchten ist... Habe ich dann auch, aber da war es schon zu spät.
Als ich versucht habe, ihr zu erklären, dass man zumindest in Deutschland eher weniger offensiv auf Leute zugeht und es langsamer angehen lässt, weil die Leute sich sonst schnell bedrängt fühlen , konnte sie das nicht so richtig nachvollziehen. Ich glaube, dass hat etwas mit dem „Ernst der Situation“ zu tun.
Shannon (aus Eden Valley) hat vor ein paar Tagen erzählt, an der Ampel hat der im Nachbarwagen eine CD von dem Sänger hochgehalten, den sie gerade gehört hat und meinte: „Kann ich dich mal einladen?“. Das ist eigentlich genauso offensiv, aber nicht so ernst. Hier kriegt man mehr so den Eindruck: Oh, wir haben uns in die Augen geguckt, jetzt sind wir zusammen!
Später wollte ich herausfinden, ob meine Vermutung stimmt und meinte zu Kristof: „Na, war wohl doch nichts, hn?“ und da hat er genau das auch gesagt: Sie kommt zu nahe, dafür das sie sich nicht kennen und sie ist zu „ernst“. („I mean, she's cute, but she's too serious about it, she's creeping me out!“).
Warum ich das gerade in voller Länge berichte: Ich glaube, ich habe jetzt das Thema für mein Forschungsprojekt gefunden, dass ich normalerweise im 5. und 6. Semester machen muss. Es gab mal nach dem zweiten Weltkrieg eine Studie über die ersten dreißig Schritte einer Beziehung. Ausgelöst wurde es dadurch, dass amerikanische Soldaten, die in Groß-Britannien stationiert waren, meinten, die englischen Frauen seien so leicht zu haben, aber diese sagten, die Amerikaner wären so aufdringlich. Und weil das nicht zusammenpasst, haben sich die Forscher mal angeguckt, welche Schritte in welcher Reihenfolge „abgearbeitet“ werden – also, ob es unterschiedliche „Beziehungsaufbau-Scripte“ gibt.
Und sie haben genau das gefunden und ich dachte mir, vielleicht kann ich das gleiche mal hier und in Deutschland machen.
Ups, habe ich viel geschrieben. So, dann mache ich hier mal erstmal Schluss...

10November
2010

Konferenz in Eskisehir, Teil 2

Die Webseite zickt gerade rum, deswegen musste ich das splitten. Der Anfang steht weiter unten.

Ich weiß nicht mehr so genau, wo es anfing und über was genau wir gesprochen haben, aber es ging die ganze Zeit um „die Kurden“, wo ich dann gefragt habe, wen genau er meint: „die Kurden“ oder „PKK und ihre Anhänger“. Darauf antwortete er „Natürlich die PKK“, aber er hat es einfach nicht verstanden, als ich meinte, dass er auch „PKK + Anhänger“ sagen soll, wenn er nur die meint und nicht „Kurden“. Ich meinte, gerade in Mersin sind so viele Kurden! Nicht, dass ich das erkennen würde, wenn ich die Leute sehe, aber irgendwann erzählen die das dann meistens. Aber dass die Hälfte ihrer Mitstudierenden Kurden (und auch ihre Freunde) sind und die die in der Diskussion praktisch alle als PKK-Anhänger bezeichnen, interessiert scheinbar überhaupt nicht.
Das ist ungefähr so, als würdest du sagen, alle Deutschen seien Nazis.
Aber ich habe auch nur Unverständnis geerntet, als ich meinte, ob die Reaktionen sie denn wirklich überrasche. Nicht, dass ich die Aktionen der PKK verteidigen will, aber wenn man einer ganzen Bevölkerungsgruppe eine eigene Identität abspricht und ihnen darüber hinaus noch verbietet, ihre eigene Sprache zu sprechen, sogar im Privaten, was glauben die denn, wie die Leute reagieren? Ok, laut Geschichtsunterricht gab es bis ca. 1980 in der Türkei nur glückliche, vereinte Türken (die Kurdenaufstände waren ja auch nur eine große Einigkeits-Party...) und Geschichtsunterricht endet mit dem ersten Weltkrieg, danach kommt nur noch Atatürk, aber es war, als würde ich mit einer Wand sprechen. Überhaupt kein Verständnis. Ich erwarte ja nicht unbedingt Zustimmung, aber das ist doch ein Punkt, den man zumindest intellektuell und auf abstrakter Ebene (Bevölkerungsgruppe, egal wo auf der Welt) nachvollziehen kann, oder nicht? Wenigstens dürfen sie seit 1982 oder so zu Hause wieder Kurdisch sprechen...

Nachmittags gab es dann eine „Gruppen-Diskussion“. Wo genau da der Teil mit der Diskussion war, weiß ich nicht so genau. Wir sollten uns in Kleingruppen setzen und diskutieren. Ok. kein Problem, gibt es ein zentrales Thema oder eine zentrale Fragestellung? Nein, ok, auch gut, dann suchen wir uns was. Nach gefühlten Hundert Stunden hatten wir uns dann auf vier Unterthemen geeinigt: Wirtschaft, Religion, Kultur und die Sicht der Türkei auf die EU und andersherum. Habe ich schon erwähnt, dass wir nur 30min Zeit hatten?
Naja, gut, die Akustik in dem Raum war sowieso so schlecht, dass wir uns nicht einmal verstanden haben, wenn wir nur 50cm auseinander waren (wirklich, ich habe noch NIE einen Raum mit so schlechter Akustik erlebt), erst dachte ich, ich habe Probleme mit dem Hören wegen Erkältung, aber dann meinten selbst die, die direkt neben der sprechenden Person saßen, dass sie das nicht verstehen können – die anderen Gruppen hat man gehört, als würden die mit einem Megafon neben einen sitzen.
Dazu kam, dass jeder jeden unterbrochen hat. Ok, ich bin kein Paradebeispiel, ich muss auch immer aufpassen, dass ich Leute nicht ständig unterbreche, aber ich gebe mir Mühe. Aber eines der Mädchen wurde mitten im Satz gleich drei Mal hintereinander unterbrochen und als ich sie dann angesprochen habe und gefragt habe, was sie sagen wollte (Wink mit dem Zaunpfahl) wurde sie gleich noch ein viertes Mal unterbrochen. Oh Mann, ugh! So viel zum Thema Gesprächskultur...
Wir haben unsere Achtergruppe dann noch mal gesplittet und jede Gruppe zwei Unterthemen (inzwischen war ja auch die Hälfte der Zeit schon rum), aber selbst zu viert war es noch schwer (wir durften auch nicht woanders hingehen). Es ist dann auch so ein bisschen eine Diskussion geworden. Nach den dreißig Minuten habe ich unsere Ergebnisse dann zusammen mit einer anderen präsentiert. Ich habe mir echt Mühe gegeben, dass alles so klingen zu lassen, als wäre es das Ergebnis einer „Diskussion“, aber das war eigentlich nicht nötig: Die Quintessenz der anderen Gruppen war:
1. Die Türkei ist toll.
2. Alle sollten in die Türkei kommen.
3. Wenn die Leute in die Türkei kommen, sehen sie, wie toll das Land ist und dann wird die Türkei in die EU aufgenommen.
AaaaaRRGGHHHHH! Super. Klingt nach 'nem Plan, der funktioniert. Vielleicht nach 3045 Jahren. Vielleicht hat man's gerade schon ein bisschen rausgehört, es war etwas frustrierend. Ich bin echt kein Politik-Freak, ich kann mir Daten und Namen einfach nicht besonders gut merken, aber das war echt Grundschul-Niveau. Hier, kriegst 'n goldenes Sternchen.
Ich habe versucht, mich möglichst darauf zu konzentrieren, dass ich mitgekommen bin, um umsonst zu reisen...
Aber das ist hier noch so ein blinder Fleck. Die Türkei ist das geilste Land der Welt und jeder, der das nicht denkt, ist Kurde oder weiß es einfach nicht besser. Oder beides. Meine Mitbewohnerin ist da anders, aber sie meinte, das ist auch erst, seit sie ihr Auslandssemester in der Slowakei gemacht hat. Man kriegt hier echt das Gefühl, dass den Kindern einfach überhaupt kein (selbst-)kritisches Denken beigebracht wird. Lehrer haben immer Recht und was schlaue Leute gesagt haben, ist richtig und es steht einem nicht zu, das in Frage zu stellen.
Abends war dann aber Party, das war cool. Ich habe noch ein paar Leute aus meinem Kurs in Ankara getroffen. Wir hatten unseren Privatbus, der uns fröhlich durch die Stadt zur einer Bar und wieder zum Hotel gefahren hat, wir sollten nur sagen, wann wir wo hin wollen :)

Am nächsten Tag war nur noch Sight-Seeing und ein Besuch bei der Chamber of Commerce.
Auch ein interessanter Besuch. Auf der ganzen Konferenz sind die ganze Zeit Fotografen und Kamera-Leute um uns rumgehampelt (sehr nervig), aber an dem Morgen hat es seinen Höhepunkt erreicht: Im großen Konferenzsaal hat der Präsident der Kammer erst mal einen Eskişehir-Werbefilm abgespielt (mit der Titelmelodie von The Rock, sehr lustige Kombi...) und danach eine Rede gehalten. Wir saßen alle um den Konferenz-Tisch rum, als einer der Kamera-Leute meinte: „Holt mal ein paar Ausländer nach vorne“ (mein Türkisch war gut genug für DAS) und dann wurden eine Polin und ich (zufällig beide mit langen blonden Haaren) nach vorne neben den Präsidenten geleitet.
Naja, am Ende gab's coole Geschenke: Eine Silberkette mit einem Halbedelstein aus Eskişehir, Süßigkeiten aus der Region und ein ziemlich edles Stiftset von der Chamber of Commerce + die ganzen Blöcke und Stifte, die es vorher schon gab – irgendwie muss man sein Geld ja loswerden. Für die Männer gab's Krawatten :D
Aber die Polin und ich haben das Ganze persönlich überreicht bekommen, so mit ganz vielen Fotos und vor der Kamera Hände schütteln und dabei die Geschenke zeigen... Ich möchte niemals berühmt werden, das ist ja wohl so was von ätzend...
Aber dann kam endlich Sight-Seeing, und Eskişehir ist echt cool, da will ich nochmal hin. Leider hatten die viel zu viel eingeplant, wir haben uns schon ein bisschen japanisch gefühlt: „Noch 5 Minuten, dann müssen wir weiter“, „In zwei Minuten kommt der Bus“, „Wir müssen uns beeilen, ihr habt 10 Minuten Zeit, um euch das Glas-Museum anzugucken“ (kein Witz, sie haben uns 10 Minuten für das Museum gegeben, aber schon nach 7 Minuten meinten sie, wir müssen jetzt endlich weiter).
Das war der Punkt, wo ich dann wirklich dachte, jetzt sind wir eine japanische Reisegruppe: In einer Woche Urlaub (bei uns ein Tag) wollen wir alles sehen, aber weil nicht genug Zeit ist, wird einfach alles fotografiert, das muss man sich dann zu Hause genauer angucken.
Und bevor mich jetzt jemand für den Vergleich beschimpft: Ich saß mal eineinhalb Stunden vorm Grünen Gitter in Potsdam und habe auf jemanden gewartet und die japanischen Reisegruppen (ich habe zwar fast alles Japanisch vergessen, aber um das von anderen asiatischen Sprachen zu unterscheiden, reicht es noch) haben samt und sämtlich einen minutengenauen Zeitplan gekriegt, damit man in möglichst kurzer Zeit auch alles Sehenswerte im Park Sanssouci besichtigen kann... Turbo-Sight-Seeing!

10November
2010

Konferenz in Eskisehir

Hui, das ist aber lange her, dass ich das letzte Mal geschrieben habe...
War aber viel los die letzten Wochen: 2 Konferenzen in Eskişehir und Istanbul, eine arabische Hochzeit, Tauchen, Geburtstag, ganz viele Hausaufgaben, ganz viel Tennis...

Konferenz in Eskişehir, 10.-13.10.2010

Am Samstag habe ich meine Tandem-Partnerin zum ersten Mal getroffen. Und verstehen oder nicht verstehen hängt wohl doch weniger von der Sprechgeschwindigkeit ab, als ich dachte! Sultan spricht SO schnell, unglaublich, aber trotzdem habe ich sie besser verstanden als alle anderen Leute hier, außer vielleicht der Lehrerin aus der Klinischen. Wir haben uns mit ein paar Leuten bei ihrem Freund getroffen, die haben vielleicht einen geilen Balkon! Der ist größer als mein Wohnheimzimmer und fast komplett überdacht. So ein kleiner Streifen am Rand, wo der Grill in die Wand eingebaut ist, ist frei. Der Balkon ist mit Teppich ausgelegt und die haben da zwei, drei Sofas und ne Hollywood-Schaukel drauf :) Sultan und ihr Freund Seçkin sprechen beide Deutsch. Sultan war vor der Uni als Au Pair in Stuttgart und Seçkin als Erasmus, aber ich habe vergessen, wo. Ich sollte mir angewöhnen, grundsätzlich eine Zahnbürste mitzunehmen, wenn ich am Wochenende irgendwo hinfahre. Es endet immer damit, dass ich letztlich doch da penne. Am Sonntag bin ich dann möglichst früh wieder zur Wohnung gefahren, um schnell zu packen und zu duschen und dann sind wir von Adana nach Ankara und von dort mit dem Zug nach Eskişehir gefahren. Das mit dem Flugzeug war eigentlich Quatsch. Letztlich hat es genau so lange gedauert, wie wenn wir mit dem Bus gefahren wären (7 Stunden), nur dass der Bus nur halb so teuer gewesen wäre.

Das Hotel in Eskişehir war allerdings ziemlich cool. Ich habe mich erst gefragt, warum die Uni so etwas bezahlen kann, bis ich erfahren habe, dass die British Council das tut. Hmmmm, die British Council wird zur Hälfte vom Staat finanziert, ist Groß-Britannien nicht genauso pleite, wie die meisten Staaten auch? Aber naja, für eine Studentenkonferenz kann man ja auch mal unnötige Flugreisen, Luxushotels und so springen lassen... Was war noch das Ziel der British Council? Kulturelle Propaganda?
Am nächsten Tag habe ich mich fast wie zu Hause gefühlt :) Die ersten drei Studenten, die ich gesehen habe, hatten Dreds, hinterher liefen ein paar sehr alternativ gekleidete junge Menschen, dahinter eine mit Piercing. Eskişehir ist total die Studentenstadt und sehr westlich. Jetzt verstehe ich auch wirklich, was es bedeutet, wenn man „westliche Stadt“ sagt. Die ganze Atmosphäre ist einfach anders. Vom Gefühl her hätte es jede andere europäische Stadt sein können (außer vielleicht Neapel), es fühlte sich einfach vertraut an. Außerdem ist es eine ziemlich relaxte Stadt. Ampeln dienen nicht nur zur groben Orientierung, es wird nicht die ganze Zeit gehupt, die Leute starren einen nicht ständig an und alles wirkt irgendwie nicht so … hm, nicht so „durcheinander“ wie in Ankara und Mersin und den anderen Städten, die ich bisher gesehen habe.
Am Montag gab es morgens erstmal ein paar Reden, wobei ich doch etwas überrascht war. Entweder die Übersetzung war sauschlecht (was sie gewesen sein muss, da die Sprecher schnell und ohne Pause geredet haben, aber in der Übersetzung mal so 20sek Platz zwischen den Sätzen war) oder die Dekane und Rektoren hier halten nicht so viel von Political Correctness. Es war schon krass, es ging halt um die Beziehung von der EU und der Türkei und dass die Türkei seit 50 Jahren versucht, in die EU zu kommen.
Die eine Sprecherin hat erstmal aufgezählt, was die EU von der Türkei erwartet und dann Beispiele dafür gebracht, an welchen Stellen die Mitgliedstaaten das selbst nicht erfüllen. Zum Beispiel, dass in Griechenland ein Wegweiser nach Konstantinopel ist, der das Layout eines nationalen und nicht eines internationalen Wegweisers hat und dass es ja nicht sein kann, dass Griechenland durch solche Gesten versucht, klar zu machen, dass Istanbul als griechische Stadt gerechnet wird. Im Schlusswort meinte sie dann, „the EU acts like a snob for not granting Turkish membership“. Die Hälfte des Publikums waren Erasmus-Studierende. Selbst wenn sie Recht hat (kenn ich mich nicht so mit aus) und selbst wenn sie das denkt, ist die Hälfte des Publikums beleidigen vielleicht nicht der feinfühligste Weg auf einer Konferenz, die Türkei und EU näher zusammenbringen soll...
Mittag gab es in einem Quasi-Luxus-Restaurant auf dem Campus (für die Professoren wird hier gut gesorgt). Dort hatte ich mit Sultan und Seckin eine Diskussion über Kurden. So richtig „Diskussion“ konnte man das nicht nennen. Ich finde es echt erschreckend, wie krass die Leute hier darauf reagieren (sofern sie nicht selbst Kurden sind). Das ist echt ein rotes Tuch. Oder ein glühender Stab, das passt vielleicht besser...

Unser HotelzimmerEskisehir-GruppeGruppendiskussionPräsident der Chamber of Commerce1. Knopf: Besonderer Stift. 4. für TeeSultan (Tandempartnerin) und SeckinKrawatten für die Herren, Pfeifen für die LehrerinnenWas machen die ganzen Tauben auf dem Restaurant??Seckin diskutiert mitAlle lieben die GansErst dachte ich, es wäre ein Disney-Schloss... (ist es nicht)Altstadt: Odunpazari (Holzmarkt)noch mal Altstadt - egtl heißt Eskisehir schon Alte Stadt :)Wurst gefällig?Die Taxi-Rufknöpfe, sehr praktisch

02Oktober
2010

Kunst und Kultur

Ich werde mir ab jetzt mal Anyas Rat zu Herzen nehmen und nicht zu spät mit Fotografieren anzufangen, damit ich nicht irgendwann vergesse, was für mich anders und interessant war...

Mittwoch, 29.09.2010
Abends war ich bei Elifs Familien zum Essen eingeladen.
Elifs Bruder ist vor ein paar Wochen erst von seinem Auslandssemester in Oldenburg wiedergekommen :)
Und er findet Oldenburg sehr schön. Nur dass es so kalt ist und so viel regnet...
Das war echt ziemlich cool. Gegessen wurde auf dem Boden, das ist ja mehr so nach meinem Geschmack. Wenn die Portionen nicht immer so groß wären!
Weil ich so langsam esse, dachte die Mutter schon, es würde mir nicht schmecken.
Da hat Elifs Bruder aber die "Situation gerettet" und meinte, in Deutschland essen die alle so unglaublich langsam und das würde er ja gar nicht verstehen. Und ich würde ja NOCH langsamer essen.
Was sagt eine Schnecke auf einer Schildkröte? :)
Nach dem Essen durfte ich noch ein bisschen auf der Saz von Elifs Bruder spielen. Und ich finde es immer wieder faszinierend und sehr einladend, wenn Erwachsene und vor allem alte Leute hier einfach völlig selbstverständlich auf dem Boden sitzen.
So wie Elifs Mutter auf dem Foto oder ein alter Mann (auf jedem Fall schon weiße Haare), der sich am Straßenrand auf eine Kante gesetzt hat, die um einen Baum rum war.
Als ich wieder zu Hause war, musste ich noch meine Hausaufgabe fertig machen.
Ich hatte eigentlich schon alles Nötige notiert und musste daraus nur noch einen Text machen.
Da musste ich leider feststellen, dass mein Englisch nicht ganz so perfekt ist, wie ich mir das immer eingebildet habe. Wissenschaftlicher Schreibstil (oder das, was ich dafür halte) ist doch noch eine andere Liga...
Und teilweise hatte ich die Wörter zwar auf deutsch, aber ich habe sie EINFACH NICHT auf Englisch gefunden!
Weder mit Leo, noch mit Wikipedia-Artikeln oder raten und bei google gucken, wie viele Hits es kriegt. Und ist euch - bzw. den Psychos, die das hier lesen - schon mal aufgefallen, dass es keine (einfach zu findende) DEFINITION von Skala gibt? Alle "Definitionen" fangen mit irgendeiner Beschreibung an, aber NIRGENDWO steht einfach mal: "Eine Skala ist..."
(Außer vielleicht "Eine Skala ist eine Treppe", aber dann wart ihr beim falschen Artikel).
Aber irgendwann habe ich es geschafft, über Skalen und Skalenniveaus und Funktion und Probleme zu schreiben, ohne einmal die Worte "Empirisches Relativ" oder "Numerisches Relativ" zu verwenden. Sind sowieso doofe Wörter. Klingen viel zu schlau dafür, wenn man sich überlegt, was sie bedeuten... (Daten in Wörtern und Daten in Zahlen, um es mal vereinfacht auszudrücken).
Dafür habe ich viele tolle neue englische Wörter gelernt. Zum Beispiel, dass Nominalskala nominal scale heißt. Und Ordinalskala ordinal scale.
Ich kann nicht glauben, dass ich echt Zeit damit verbracht habe, diese Wörter nachzugucken!
Um 2:30 war ich dann fertig. Im doppelten Sinne.

Hmmm, sollte es mir Sorgen machen, dass ich gerade in eine deutsche Verbtabelle geguckt habe, weil ich mich einfach nicht daran erinnern konnte, ob es "ihr wart" oder "ihr ward" heißt...?

Donnerstag, 30.09.2010
In Klinischer Psychologie hatte ich ein schönes Erfolgserlebnis: Ich habe die erste dreiviertel Stunde ziemlich viel verstanden. Die Details natürlich nicht, aber ich habe fast immer gewusst, wovon sie gerade spricht. Ich habe mir sogar Notizen gemacht. Eigentlich wollte ich ja auf Englisch mitschreiben, aber dafür hat die Zeit nicht gereicht.
Deswegen habe ich die Notizen jetzt auf Türkisch, ich hoffe, ich verstehe in ein paar Wochen noch, was ich meinte :)
Die nächste halbe Stunde hat mich meine Müdigkeit dann eingeholt und da habe ich nicht mehr ganz so viel verstanden...
Ich war mehr damit beschäftigt, mir in den Arm zu kneifen, damit meine Augen nicht zufallen.
Der letzte Teil war dann ein wenig frustrierend: Ich war wieder wach genug, um zuzuhören. Aber jetzt hatten sie den Beamer zum Laufen gekriegt und ich habe eigentlich nur noch die ganze Zeit die Folien mitgeschrieben und da hatte ich keine Arbeitsgedächtnis-Kapazität mehr frei, um zuzuhören :(

Freitag, 01.10.2010
In Psikolojik Testleri hat einer von den Hilfskräften die Vorlesung gehalten, weil die Professorin keine Zeit hatte.
Ich habe ja in Sozialpsychologie brav gelernt, warum Vorurteile selbststabilisierend sind, aber langsam glaube ich trotzdem, dass meine erste Beobachtung größtenteils stimmt: Die Männer scheinen hier die ganze Zeit Bauchreden zu üben!
MÄNNER, MACHT DIE MÜNDER AUF!
Ich frage mich, ob das nur hier so ist oder ob es mir hier nur auffällt, weil es für mich den Unterschied zwischen verstehen und nicht-verstehen ausmacht.
Vielleicht sollte ich darüber mein Forschungsprojekt machen: Eine kulturübergreifende Studie über die Mundbewegungen beim Sprechen.
Nach der Uni war ich mit Birsu (siehe Fotos) und ein paar anderen Essen und danach im Kino (Umgerechnet 2,50€... ich glaube, ich gehe öfter). Zu meinem Glück und Pech sind die Kinofilme hier größtenteils nicht synchronisiert.
Aber der türkische Untertitel war manchmal doch hilfreich. Mehr als einmal habe ich das Englische einfach nicht gehört, da konnte ich es auf Türkisch nachlesen und habe es sogar verstanden :)
Wir haben Inception geguckt, sehr empfehlenswert! Erinnert zwar stark an eXistenZ und ist am Ende nicht ganz schlüssig, aber er ist trotzdem sehr gut gemacht.
Abends waren wir dann mit ein paar Leuten bei Birsus Freund und das war ein Paradies: Nicht nur ist die Wohnung einfach klasse! Sie haben nicht nur drei Balkone und jedes Zimmer (außer den Badezimmern) hat Balkonzugang, sondern es gibt so viele Instrumente, wie ich noch nie auf einmal gesehen habe! (Konzerte zählen nicht)
Eine Geige (auf der ich keine Nackenschmerzen gekriegt habe so wie auf Ferihas), eine Querflöte (kann man auf sowas länger spielen, ohne irgendwann vor lauter Sauerstoffmangel umzukippen?), eine Klarinette (die tiefen Töne kriege ich immer noch nicht hin), eine Blockflöte (juhu, das weckt Erinnerungen) und zwei Gitarren (Stahlseiten tun weg!).
Als wir mit dem Musizieren fertig waren, war natürlich Zeit zum Quatsch machen...

Samstag, 02.10.2010
Die Nacht haben wir alle dort geschlafen. Ich muss nochmal das Foto vom (typisch türkischen) Frühstück hochladen, aber das hat Birsu noch.
Danach gab's wieder ein bisschen Musik (aber au! Ich glaube, ich kriege Blasen an den Fingerspitzen!)
Später waren Birsu und ich noch shoppen und es hat sogar Spaß gemacht (Ich habe festgestellt, wenn ich nicht "zu Hause" einkaufen gehe, dann kann es sogar Spaß machen).
Aber nach 4 Stunden war die Luft dann doch raus :)
Wir waren noch kurz bei Aslan (so heißt Birsus Freund), aber gegen 10 bin ich dann auch nach Hause gefahren. Die meinten zwar, ob ich nicht noch ne Nacht bleiben will, aber 3 Tage ohne Zähneputzen sind 2 zu viel...

Oh, und ich glaube am Mittwoch habe ich ein altes Grammophon zum Kurbeln in einem Second Hand Shop gesehen. So was hätte ich ja auch gerne Mal!
Ob man wohl noch Platten mit Musik aus den Dreißigern kriegt?

Das nenn ich mal Recycling! Deko vor PC-LadenAus diesem Himmel regnet es gerade...Essen bei ElifAuf-dem-Boden-sitz-KulturElif und ich mit Saz

Birsu, ich und ein sehr dekoratives Brathähnchen im HintergrundInternet gab's leider nur auf Kopfhöhe...So viele Instrumente! HuiuiuiuiuiWasserpfeife und Blockflöte - ist doch klar, was da kommt...Aber seine Idee war's

28Sept
2010

Immer noch die zweite Uni-Woche: Pride and Prejudice

Einmal vorweg: Ich fand das alte Design unübersichtlich. Außerdem habe ich die Anzahl der Einträge auf der Startseite geändert.
Was denkt ihr?
Ist dieses Design besser?
Hättet ihr lieber weniger Einträge auf der ersten Seite (Minimum ist 5)?
Ich weiß ja nicht, wer wie regelmäßig liest. Wenn ich mal zum Testen auf der Seite war, fand ichs immer ziemlich ätzend, mich zu älteren Beiträgen durchzuklicken...

Und noch was: Ich habe mir überlegt, dass ich einen "privaten Benachrichtigungsservice" einrichten werde. Wer mir eine Mail an eine.e-mail.fuer.mich(at)web.de schickt, bekommt in Zukunft eine Mail, wenn es einen neuen Eintrag gibt. Das (at) natürlich bitte durch ein @ ersetzen :)

 Btw, die Kommunikation wird im Moment ziemlich einseitig. Ich will auch wissen, was ihr so macht :(
Sonst krieg ich hier ja gar nix mehr mit.

So, nu aber zum Tag...

 Dienstag, 28.09.2010

Haha, „zusammengeschustert“ trifft es ganz gut.
Das „Gedicht“ – naja, Gedicht heißt ja nur „Zeilenbrecher“, von Versmaßen war nirgendwo die Rede :) – basiert auf einem meiner Lieblingsgedichte, nämlich dem „Panther“ von Rainer Maria Rilke:

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.


wobei beim Umschreiben der schwerste Part der war, die Worte so auszuwechseln, dass es nicht depressiv klingt :D (ich hoffe, das ist gelungen).

So langsam kommt Routine in die Sache. In der Uni grüßen mich immer noch ganz viele Leute, bei denen ich immer nicht weiß, ob ich die schon kennengelernt habe oder nicht (ist es nicht herrlich, dass man Mitteleuropäer auch an ihren Haarfarben unterscheiden kann?)
Und mir ist aufgefallen, dass die Leute hier eigentlich alle so ein bisschen gleich aussehen. Es gibt einfach keine Kultur von „Extremtypen“. Keine Punks, keine Emos, keine Riesentätowierungen, Ohrpiercings als Maximum.
Keine HipHopper, keine Skater, keine Baggyhosen (danke), keine Nietengürtel, keine nix. Eigentlich sehen alle irgendwie „nett“ aus (jaja, „nett“ ist auch nur der kleine Bruder von „scheiße“, aber so ist es auch gemeint)
Auf der anderen Seite gibt es auch nicht diese völlig fertigen Leute. Als ich damals das erste Mal alleine in Berlin angekommen bin, um in meiner beschaulichen Universitätsstadt eine Wohnung zu finden, war das erste, was ich gesehen habe, eine alte Frau, die die Ascher auf den Mülleimern durchwühlt hat und die Kippen mit noch ein bisschen Tabak dran gesammelt hat.
In der Mall habe ich letztens eine gesehen, die mit viel Toleranz als Goth durchgegangen wäre.
Und an der Uni ist eine mit pinken Haaren. Ich wäre fast zu ihr gegangen und hätte mich dafür bedankt, dass sie mal was anders macht.
Vielleicht mache ich das auch noch, ich habe heute festgestellt, dass wir im gleichen Gebäude Unterricht habe, d.h. sie studiert entweder Soziologie, Psychologie, Philosophie oder was mit Umwelt... Ich hätte auf Kunst getippt :D
Als ich das meiner Mitbewohnerin erzählt habe, sagte sie, dass Leute, die sich sehr anders kleiden, ganz einfach ausgeschlossen werden, aber „in Istanbul gibt es sowas vielleicht...“
Einer aus meinem Kurs hat 3 Piercings. Ich habe ihm heute gesagt, dass ich das gut finde. Da hat er mir erzählt, dass er die selber gestochen hat und auch selber tätowiert.
Ob ich auch sowas haben wolle.
Nein danke.
Nicht, dass ich solche Sachen „schön“ finde... Ich mache mich gerne Mal über Emos lustig, Punks (zumindest wenn sie als Gruppe auf der Straße betteln) finde ich meistens nervig und pinke Haare und ausgedehnte Tätowierungen (vor allem, wenn rot und grün dabei ist brrrrrrrr gucken die sich das manchmal auch selbst an?) finde ich in den meisten Fällen ziemlich hässlich. Und Ohrringe reichen mir inzwischen auch völlig.
Aber wenn alle irgendwie gleich aussehen … nein danke, das muss echt nicht sein. Manchmal ist das ein bisschen gruselig. Alle sind nach außen hin so angepasst.
Die einzigen, die hier rausstechen, sind die Barbies. Aber bei denen fragt man sich manchmal echt, ob die ein rechteckiges Loch in der Fußsohle haben.

Außerdem drängeln hier alle vor. Aber auch nicht irgendwie unauffällig. Ich stand heute zum Kaffeekaufen hinter zwei Mädchen und son Typ stellt sich einfach ganz nach vorne hin. Sorry falls ich hier gerade sehr deutsch bin, aber das ist echt nervig. Und das ist immer so.
Ich glaube, wenn man hier länger ist, dann „färbt“ das auch ab (oh mann, wie das schon wieder klingt... sorry, mir fallen gerade keine besseren Worte ein).
In der Ausländerbehörde habe ich auch hinter dem gewartet, der gerade dran war. Dann war da eine Deutsche mit ihrer Mutter und hat sich neben mich gestellt. Und als der vor mir auch nur so ungefähr so aussah, als wäre er gleich fertig, hat sie sich gleich nach vorne durchgekämpft (zwischen ihr und dem Schalter war nur ebener Fußboden und zweieinhalb Kubikmeter Luft, aber anders als „kämpfen“ kann man das nicht beschreiben).
Langsam glaube ich, ein bisschen spießig sein ist auch ganz gut. Zumindest wenn das bedeutet, dass alles ein bisschen geordnet seinen Gang geht und nicht immer das Recht des Stärkeren oder Dreisteren oder Aggressiveren gilt. Und wenn es bedeutet, dass ich warten kann, bis der vor mir weg ist und nicht gleich zum Schalter sprinten muss, um überhaupt irgendwann mal dranzukommen.
Hmmm, ich frage mich, ob es in der Türkei dann wohl irgendwann exponentiell mehr Herzinfarkte gibt, wenn das Land reich genug wird, um mehr von den typischen Zivilisationskrankheiten zu kriegen...
Oder der Level ist nicht so viel anders, weil man sich hier nicht darüber aufregen muss, wenn der Rasen 3mm zu lang ist und man sich nicht so viel fremdschämen muss :)

Ich habe gestern zum ersten Mal seit langem eine E-Mail auf Französisch geschrieben. Oh Mann, das war so schwer! Ich musste bei fast jedem Verb in die Verbtabellen schauen, weil ich mich einfach nicht mehr daran erinnern konnte, welche Endung zu welcher Person gehört...
Und ich habe im Moment einfach kein Gefühl mehr für die Sprache. Dinge hören sich nicht mehr falsch oder richtig an, ich muss mich auf mein Grammatikwissen verlassen und ich hasse das. Als würde man beim Laufen die ganze Zeit auf die Füße schauen, weil man sonst stolpert. Es fühlt sich einfach so unnatürlich an.
Und als ich dann endlich wieder ein bisschen flüssiger schreiben konnte, war's natürlich schon vorbei. Danach konnte ich zuerst kein Englisch mehr denken, geschweige denn Türkisch. Wenn ich spontan geredet habe, war es kein Problem, aber wenn ich versucht habe, über etwas nachzudenken und dann zu erklären, dann hatte ich nur Französisch im Kopf.
Hmpf! In meinem Kopf ist einfach kein Platz für 4 Sprachen gleichzeitig... 

Mein Abbild in BetonBlick auf die Stadt vom Campus ausauf dem Campus5 der 7 Flaggen im Bus...Herbert an der WohnzimmerwandVefa (l.) und Feriha (r.) Abendessen aufm BalkonDas Huhn mit E-Gitarre

 

27Sept
2010

Die ersten zwei Uni-Wochen

Huiuiui, das ist ja lange her, dass ich das letzte Mal geschrieben habe...

Donnerstag, 16.09.2010
Dienstag und Mittwoch habe ich eigentlich nicht viel gemacht außer Mitbewohnerinnen kennenlernen und ein bisschen gammeln.
Am Donnerstag war es dann an der Zeit, mich für die Kurse einzuschreiben. Ich habe jetzt meine Kurse danach ausgewählt, ob die Lehrer eine Prüfung auf Englisch abnehmen können. Eine Professorin habe ich auch kennengelernt und die war überhaupt nicht davon begeistert mich zu sehen. Danke, da fühlt man sich schon gleich viel besser.
Und während ich noch daneben stand, hat sie meinen Koordinator gefragt, wie ich denn überhaupt die Kurse auf Türkisch schaffen will.
Recht hat sie ja, aber das war echt unhöflich! Ich kann genug Türkisch um DAS zu verstehen >(


Freitag, Samstag und Sonntag war auch nicht viel außer am Freitag vergeblich in die Uni fahren, weil mein Ausweis hätte fertig sein sollen. Eigentlich kostet hier Busfahren nicht so viel (ca. 0,45 pro Fahrt), aber wenn man dann mehrmals mit mehreren Bussen hin- und herfahren muss, geht das doch ganz schön ins Geld... (zumindest, wenn man sonst an ein Semesterticket gewöhnt ist).


Ihr Blick ist vom Vorübergehn der kahlen Wände

schon so fieberhaft geworden, dass sie nichts mehr hält

Ihr ist, als ob es tausend Wände gäbe

in einer baumarktlosen Welt.


Der Gang durch Heimwerkermarkt-Verschnitte

wo es um allerkleinste Auswahl geht,

ist wie ein Tanz von Ungeduld um eine Mitte,

in der maximal ein Schraubendreher steht.


Nur manchmal fliegt der Vorhang der Pupille

voll Entsetzen auf–. Dann geht ein Bild hinein:

Es gibt keine Kombizangen, entsetzte Stille!–,

und wird im Herzen zu einem Paintball-Pistölchelein.

Oder zu einem Huhn mit E-Gitarre...
Rainer Maria wird sich im Grab umdrehen :P
Sorry, Rainer!


Montag, 20.09.2010
Erster Uni-Tag.
Es fängt gut an: Lea ist pünktlich und Raumfinden ist im Gegensatz zu sonst kein Problem.
Lea ist da.
Aber sonst niemand.
Hmmm...
Irgendwann ist noch ein zweiter aufgetaucht, da wusste ich wenigstens, dass ich am richtigen Ort bin, aber auch die Professorin ist nicht aufgetaucht.
Irgendwann kam eine Wissenschaftliche Mitarbeiterin oder so vorbei und die hat für uns im Computer nachgesehen, aber laut sämtlichen Plänen waren wir richtig. Da ist sie bei der Professorin vorbeigegangen und hat gefragt: 8 Uhr morgens war ihr zu früh, sie hat beschlossen, um 9 Uhr anzufangen.
Und das in der ersten Woche hier niemand kommt, ist völlig normal.
Tja, in Deutschland ist es genau andersherum, viele kommen NUR in der ersten Woche :)
Um 9 bzw. c.t.t. (cum türkische tempore, d.h. nicht akademisches Viertel, sondern eher akademische Hälfte) kam dann auch die Professorin. Dadurch, dass wir nur zu zweit waren, haben wir uns die meiste Zeit der ca. 20-minütigen „Vorlesung“ darüber unterhalten, wie wir das mit mir am besten machen.
Es stellte sich heraus, dass sie ihren Doktor in den USA gemacht hat, für sich die Sachen auf Englisch ausarbeitet (weil auch englischsprachige Bücher) und das dann auf Türkisch übersetzt.
Sehr, sehr schön.
Nur überschneiden sich leider zwei Vorlesungen, deswegen muss ich noch mal ran und nen neuen Plan machen...


Dienstag, 21.09.2010
Diesmal habe ich wenigstens schon damit gerechnet, dass nicht so viele kommen.
Nach der Vorlesung bin ich mit Julia (deutsche Kunststudentin) und Mateusz (polnischer Englischstudent auf Lehramt, der nicht ein einziges Wort Türkisch spricht) zur Ausländerbehörde gefahren. Julia und ich nur wegen Adresse ändern, Mateusz brauchte das ganze Ding neu. Und ich war mal wieder Einzige, die mehr als nur ein paar Bröckchen Türkisch konnte. Ich habe vorher extra gesagt, dass es wirklich ÄUSSERST sinnvoll ist, jemanden dabei zu haben, der Türkisch spricht, aber die beiden meinten „Aaaach, das wird schon...“
Hmmm, schlechtes Zeichen. Aber ich brauche ja nicht das ganze Ding komplett neu.
Ich hatte einfach nur einen Zettel mit meiner neuen Adresse dabei. Aber die Frau von der Behörde hat die ganze Zeit auf uns eingeredet, aber ich habe einfach nicht gecheckt, was sie von uns will.
Sie hat sich Mühe gegeben, aber sie ist leider eine von den Personen, die langsam und deutlich immer wieder mit laut verwechseln.
Irgendwann meinte ein Türke, der neben uns steht „Gel, gel“ (Komm, komm). Er hat uns dann zu einem Copyshop hundert Meter von der Emniyet Müdürlüğü entfernt. Da habe ich endlich gecheckt, was sie wollte: Wir sollten ein ausgedrucktes Gesuch auf Adressänderung einreichen (das klingt auf Deutsch schon so blöd, kein Wunder, dass ich es auf Türkisch nicht verstanden habe).
Der Typ vom Copyshop hat das Ganze dann für uns geschrieben und ausgedruckt und dafür ne ganze Menge Geld gekriegt...
Nach einer ganzen Weile war dann alles fertig und wir sind zurück zur Ausländerbehörde. Tja, – SURPRISE! – es muss aber noch ein Stempel drauf.
Und das Stempelbüro hat schon zu.
Da müsst ihr morgen noch mal wiederkommen.
AAAAARRGGHHHHH!!!
Und der Text, den der Typ geschrieben hatte, war auch falsch. Aber die Frau hatte langsam Mitleid mit uns und hat mir dann den Text notiert, den ich schreiben soll. Und sie hat uns gebeten, unserer Koordinatorin zu sagen, dass sie die Ausländerbehörde anrufen soll. Wahrscheinlich haben sie es satt, dass die Erasmus-Studierenden alle nix verstehen.
Dazu kam noch, dass es an dem Tag so UNGLAUBLICH heiß war! Wir waren so fertig und genervt, dass wir erstmal zu Carrefour gegangen sind und uns ein Bier gekauft haben.
Und Schokolade.
Solange es nicht zur Angewohnheit wird...
Später war ich dann mit Julia noch in einem Buch-/Schreibwarengeschäft, da habe ich meine Laune mit ein paar Bastelsachen und einem Buch wieder aufgepäppelt :) Der kleine Vampir auf Türkisch.
Kitapsan ist das größte Geschäft dieser Art hier in Mersin, aber leider können die das Grammatikbuch, das ich unbedingt haben will, nicht bestellen :(
Jetzt muss ich erstmal weiter mit diesem unhilfreichen deutschen Buch arbeiten. Ich muss unbedingt mal ein paar von ihren Beispielsätzen bringen, da fragt man sich echt, ob sie eigentlich deutsche Muttersprachlerin ist oder ob sie sich das von google hat übersetzen lassen.
Auf dem Rückweg habe ich noch ein Mädchen aus meinem Kurs am Morgen getroffen. Das war ganz cool, ich glaube, damit hat es sich auch gefestigt, wer hier meine Freunde sein werden.
Eigentlich seltsam, normalerweise brauche ich immer so einen Monat, bis ich mir sicher bin, wer in welcher Stadt meine Freunde sein werden, aber nach 2 Tagen schon?


Mittwoch, 22.09.2010

Morgens waren Julia und ich bei Banu. Sie hat unsere Texte für die Ausländerbehörde Korrektur gelesen und da angerufen. Die Frau hatte aber ihr nur erklären wollen, welche Unterlagen wir alles brauchen und was in den Text soll. Echt lieb!
Als wir bei der Emniyet Müdürlüğü angekommen sind, war erstmal Mittagspause, aber das war dann nur das kleinere Übel. Um 14:00 ging's rein, um 14:05 hatten wir unsere Stempel und um 14:07 hatten wir alles Nötige abgegeben. Bitte zum Abholen morgen wiederkommen.

….

Och NÖ! Nicht schon wieder! Ist zwei Tage am Stück nicht genug???

Das klingt vielleicht ein bisschen gemein, aber ich bin ehrlich gesagt froh, dass Mateusz nicht dabei war, weil er krank war. Ganz ehrlich, soll er sich jemand anderen zum Übersetzen suchen. Nicht mit mir.

Wieder zurück in der Wohnung habe ich erstmal den ganzen Nachmittag gepennt (wie können einen so eigentlich kleine Sachen so fertig machen??) und am Abend kam dann noch ein besonderes Schmankerl: Nachdem das heiß-trockene Klima in Ankara mit meine FlipFlops kaputt gemacht hat, habe ich mir erstmal mein zweites Paar Schuhe ruiniert, indem ich voll in frischen Beton getreten bin. Auf dem Gehweg war ein Stück neu betoniert worden, aber auf die Idee, das mal IRGENDWIE zu markieren, kommt da natürlich niemand. Ich habe im Dunkeln zwar gesehen, dass die Stelle irgendwie anders aussieht, aber das ist hier eigentlich auch nicht so was Besonderes.

Und dann voll FLAAAAAATSCH. Wenigstens bin ich mit dem anderen Fuß auch reingetreten, damit sind die Schuhe wenigstens jetzt gleichmäßig hinüber.
Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass es sich um Häkelschuhe handelt, d.h. mit gaaaaaanz vielen kleinen Löchern, wo man den Beton natürlich besonders gut wieder rauskriegt...
Wenigstens habe ich jetzt den Beton ruiniert. Vielleicht hätte ich noch zur Rache ein bisschen drin rumspringen sollen. Damn, warum habe ich da nicht vorher dran gedacht, als der Beton noch nass war! Ich werde nochmal ein Foto davon machen, aber bisher wars immer dunkel, wenn ich da wieder vorbeigekommen bin.


Donnerstag, 23.09.2010
Die Professorin in Klinischer Psychologie spricht richtig deutlich, da habe ich sogar ein paar Sachen verstanden! Juhu! Und ich habe ihr hinterher, als es darum ging, was sie als Prüfungsleistung akzeptiert, einfach erzählt, dass ich in einem Fach ein Essay auf Englisch schreibe :) – da habe ich ihre Unsicherheit darüber, wie sie mit mir umgehen soll, einfach mal ganz schamlos ausgenutzt *hüstel*
Schäm ich mich deswegen? Hmm, nö. Eigentlich nicht. Ich lache ins Fäustchen höhöhö.
Der Professor in Testmethoden war echt witzig, wobei ich die meisten seiner Witze leider selbst nicht verstanden habe. Aber schließe es mal daraus, dass der Kurs sich die Hälfte der Zeit unter den Tischen gekugelt hat.
Er hat auch immer wieder Stichworte für mich auf Englisch gesagt. Da dachte ich, er spricht Englisch und habe ihn hinterher auf Englisch gefragt, wies denn mit der Prüfung wäre. Da konnte er auf einmal kein Englisch mehr, aber Elif (die, die ich am Dienstag mit ihren Freunden getroffen habe) meinte, er hätte nur so getan, als würde er mich nicht verstehen. Danke.
Aber eigentlich hat er wahrscheinlich Recht. Ich sollte gar nicht erst anfangen, Englisch als Hauptkommunikationssprache einzuführen.

Am Freitag hatte ich dann noch Psikolojik Testleri (dreimal dürft ihr raten, was das heißt...). Obwohl der Kurs wahrscheinlich einer der interessantesten wäre, werde ich ihn wahrscheinlich sausen lassen. Er besteht größtenteils daraus, Tests durchzuführen und dann auszuwerten, wobei wir dafür unbedingt in Krankenhaus müssen, verstehe ich auch nicht. Wahrscheinlich, weil die Leute nicht weglaufen können...
Aber ich brauche nur 5 Kurse und wenn ich den Freitag frei habe, kann ich mehr reisen.
Nachmittags war dann noch was Spannendes, aber wer das wissen will, soll mir eine Mail schreiben (dann weiß ich auch mal, wer hier liest :D )
Abends war ich dann mit einer anderen Freundin (Birsu) und ihrem Freund in Pozcu (neben der Innenstadt das Haupteinkaufsviertel) in einer Bar.
Samstag und Sonntag war dann vor allem Chillen. Eigentlich wollte ich ja auch was geschafft kriegen, aber wie das dann halt so ist... Dafür habe ich am Sonntag ganz viele Leute auf facebook gefunden (nachdem ich mich da eigentlich nie anmelden wollte...)


Montag, 27.09.2010
Morgens bin ich erstmal in den falschen Raum gelaufen. Aber es war nicht meine Schuld, die haben einfach Räume getauscht, ohne das irgendwo bekannt zu machen. Ich habe mich noch gewundert, dass die schon angefangen haben, aber ich dachte mir, vielleicht hat sie auch gemeint, dass sie nur letzte Woche um 9 anfangen will. Dann habe ich gedacht „komisch, ich dachte, ich hätte jetzt bei jemand anderem“. Dann habe ich festgestellt, dass ich im falschen Kurs bin. (Sowas dauert bei mir immer etwas länger)
Dann durfte ich – die Vorlesungsräume sind wie 60-Mann-Klassenräume – nach 2 Minuten auch schon wieder rausgehen. Das war dann doch etwas peinlich...
Danach war ich wenigstens im richtigen Raum und – Wohooooo, when I'm feeling heavy metal – hat die Lehrerin eröffnet, dass sie ein ebook verteilt. Auf Englisch. Und wers liest und eine Hausaufgabe dazu macht, kriegt in der Klausur Extra-Punkte (oder so ähnlich).
Yeeeessssssss! Ich habe versucht, nicht zuuu breit zu grinsen. Oder einen Touchdown-Dance aufzuführen. Oder auf dem Tisch zu tanzen.
UH UH! AHA AHA. Yeah, yeah! UH UH! AHA AHA...
(Das habe ich natürlich nur in Gedanken gesungen)

 PS: Sorry, ich kann gerade keine Bilder hochladen, weil die Seite sich nicht aufbaut... die kommen dann später

14Sept
2010

Die keineAhnungwievielte Woche: Wohnung finden und Busfahren lernen

So, jetzt habe ich auch wieder einen Internetzugang

Fortsetzung von Montag, 06.09.2010
Ich habe eigentlich schon vergessen, was danach noch war. Ich glaube, sein Kumpel war noch dazugekommen und wir haben in der Mall was gegessen oder so. Weiß ich auch nicht mehr so genau.
Eigentlich hatte Ecem, die Freundin meiner Tandem-Partnerin, gesagt, dass sie mitkommt, um meine Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen, aber so gegen Mitternacht hat sie mir dann eröffnet, dass sie noch gar nicht in Mersin ist.
Dienstag war allerdings der letzte Tag, an dem ich die beantragen kann, weil Mittwoch schon alles wegen dem Ramazan-Ende geschlossen ist...
Glücklicherweise hat sie Umut erbarmt, mit mir dorthin zu gehen.

Dienstag, 07.09.2010

Morgens bin ich mit Umut zur Ausländerpolizei gegangen, um die Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen. Es war wirklich gut, jemanden dabei zu haben, der Türkisch spricht, sonst hätte das glaube ich sonst wie lange gedauert.
Aber mal ehrlich, ich erwarte ja nicht, dass hier alle Leute Englisch sprechen, aber wäre es nicht wenigstens sinnvoll, wenigstens in der Ausländerbehörde und in Touristen-Informationen Leute hinzusetzen, die mehr sprechen als nur Türkisch???
Um 4 konnten wir die dann wieder abholen. Ich bin froh, dass die die Uni-Lodge-Adresse, die ich angegeben habe, nicht gecheckt haben. Ich musste das Formular schon ausgedruckt mitbringen und das war die einzige Adresse, die ich angeben konnte.
Abends habe ich mir noch eine Wohnung angeguckt, die sehr zentral gelegen ist und auch sehr günstig (umgerechnet ca 75€...), aber die Wohnung war ziemlich klein und hässlich und roch ein bisschen nach Schimmel.
Ich wäre wahrscheinlich trotzdem eingezogen (um nicht ins Uni-Lodge zu ziehen), wenn ich abends nicht mit Şahin (der mich am Sonntag schon vom Bus-Terminal abgeholt hat) eine Freundin von ihm besucht hätte, die noch eine Mitbewohnerin suchte.
Ganz sicher ist das alles noch nicht, am Freitag muss ich noch die zweite Mitbewohnerin kennenlernen und die muss auch noch ja sagen, aber wenn das klappt, dann habe ich ein Zimmer in einer 3er-WG 5min vom Wasser entfernt und im 6. Stock.
Zuerst dachte ich, „naja, 6ter Stock, das wird ja witzig, wenn mal der Fahrstuhl ausfällt“, aber ich glaube, dass ist gar nicht so schlecht, weil hier kriegt man nicht auch noch die Hitze vom Asphalt und es ist mehr Wind und abends ist es ein bisschen kühler.

 

 Mittwoch, 08.09.2010

Gegen 11 ist Vefa (Mitbewohnerin Nr.1) zum Hotel gekommen, um hier beim Tragen zu helfen und sicherzustellen, dass ich die Wohnung auch wiederfinde.
Ich habe das größte Zimmer hier, und zwar, weil es das kälteste ist... Als ich gefragt habe, was sie mit „kalt“ meinen, sagte sie, dass es im Winter in Mersin schon mal so 15°C werden.
Ich glaube, ich werde erfrieren...
Als ich dann meinte, dass ich bei „Winter“ und „kalt“ mehr so an -20°C denke, hat sie nur etwas geschockt geguckt. Ich glaube nicht, dass sie weiß, wie kalt das ist :)
Sahin hat ein Auslandssemester in Hildesheim gemacht und erzählt, dass er dort zum ersten Mal in seinem Leben Schnee gesehen hat. Also echten, nicht nur im Fernsehen.
Und dass er zuerst gar nicht gecheckt hat, was das eigentlich ist. Ich glaube, dass muss toll sein, wenn man als Erwachsener Schnee noch mal so richtig neu erleben kann.
Als Kind ist das so toll und alles, aber man nimmt es einfach hin, dass ist nicht so was völlig Neues und Unglaubliches wie wenn man es wirklich bewusst wahrnehmen kann!
Vefa spricht nicht so gut Englisch. Für sie ist es auch ganz nett, dass sie mit mir Englisch üben kann und sie hilft mir dann, dass ins Türkische zu übersetzen. Eine Hand wäscht die andere würde ich mal sagen.

Donnerstag, 09.09.2010
Ich war mit Vefa einkaufen, aber sonst habe ich keine Ahnung mehr, was ich sonst so gemacht habe.

Freitag, 10.09.2010
Morgens um halb 8 sind wir im Meer schwimmen gegangen. Das ist auch fast die einzige Zeit, zu der man hier schwimmen kann, weil um 10 war es dann schon wieder so heiß, dass man es kaum noch ausgehalten hat.
Den halben Tag habe ich dann wieder hier rumgelegen, weil man zwischen 12 und 5 eigentlich nicht viel anderes machen kann. Und auch in der Wohnung muss man versuchen, sich so wenig wie möglich zu bewegen oder im Luftstrom zu bleiben, denn wenigstens gibt's hier im 6. Stock ein bisschen Wind.
Abends waren Freunde von Vefa zu Besuch und wir haben zusammen gegessen.
Kurz, bevor ich ins Bett gehen wollte, hatte ich noch eine sehr nette Begegnung:
Ab heute bin ich Spinnenfreund. Die dicke schwarze Hausspinne ist ein kuscheliges Knuddeltier. Sollte ich es jemals vergessen, bitte erinnert mich daran, dass ich irgendwann in der Lage sein möchte, Hausspinnen auf die Hand zu nehmen (freiwillig, versteht sich). Wie ich das schaffe, weiß ich noch nicht, aber seit meiner heutigen Begegnung mit einer Kakerlake, die so lang war wie mein Zeigefinger, haben Spinnen meine vollste Sympathie. Bei Spinnen weißt du, wo sie hinlaufen. Du siehst ihren Pfad fast besser als sie selbst. Wenn sie eine Wand runterlaufen, bleiben sie meisten auch daran. Sie springen selten einfach so ab. Spinnen sind so wunderbar vorhersehbar. Heute Abend mache ich so die Badezimmertür auf und plötzlich flattert mir dieses Riesending um den Kopf!
So richtig fliegen kann man das nicht nennen. Aber es fliegt genug, um es völlig unvorhersehbar zu machen. Das Einzige, was du weißt, ist, dass eine Kakerlake so schnell wie möglich an die nächste dunkle Stelle will. Und meistens auch von dir weg. Meistens.
Verhindern kann man das hier leider nicht, weil es in den Häusern in der Mitte einen Luftschacht gibt, an den alle Badezimmer angeschlossen sind und das ist im Grunde nur ein Loch in der Wand. Ich habe schon überlegt, ob ich mir eine kleine Heißklebepistole besorge (die könnte ich hier sowieso gebrauchen) und einfach ein bisschen Fliegengitter oder -netz davor klebe.
Aber ich will noch so wenigstens eine Woche warten, bevor ich hier mich in die Infrastruktur einmische. Unterm Schrank unter der Spüle müsste man auch mal gucken, ob das da nicht vielleicht alles unter Wasser steht. Zumindest riecht es so.
Und ich habe festgestellt, dass ich auch diese Eigenschaft habe, die Birgitt Niklas zugeschrieben hat (tja Niklas, jetzt erfährst dus auf diese Weise :) ): Es stört mich nicht, in eine Wohnung zu ziehen, die - nett gesagt - noch eine ganze Menge Potential hat, aber deswegen muss es ja so nicht bleiben.
Und ich habe festgestellt, dass ich mit niedrigen Standards gut leben kann, aber nicht mit Verwahrlosung.
Also, versteht mich jetzt nicht falsch, die Wohnung ist jetzt nicht so ein kakerlaken-verseuchtes Loch oder so, es ist schon sauber und ordentlich, aber das Badezimmer ist so ein bisschen das Stiefkind und die Einrichtung sehr zweckmäßig und etwas lieblos.
Aber eigentlich mag ich das. Hier kann man zumindest noch etwas machen. Eigentlich ist es mir sogar lieber, als in eine total durchgestylte Wohnung zu ziehen.
Die einzige Frage ist, ab wann ich genug etabliert bin, dass Vorschläge nicht wie Vorwürfe klingen :)
Ich mach auch noch mal Fotos von der Wohnung, aber jetzt habe ich gerade keine Lust. Zu heiß.

Samstag, 11.09.2010
Morgens ist Feriha gekommen, die zweite Mitbewohnerin. Sie ist auch sehr nett und hat ein Auslandssemester in der Slowakei gemacht. Dort hat sie angefangen, Geige zu spielen und ich muss sagen, ich würde mich auch gerne mal ein bisschen nach Instrumenten umgucken.
Geigen kann man hier ab ca. 70€ kriegen und das ist nicht mal ein Drittel von dem Preis, was ich in Deutschland für die billigste Gebrauchtgeige bezahlt hätte, die ich gefunden habe.
Ich muss noch mal bei Pegasus oder ner anderen Fluggesellschaft anrufen und fragen, was der Transport von Musikinstrumenten kostet, weil davon hängt es natürlich ab, ob sich sowas lohnen würde.
Für alle von euch, die das wieder für eine meiner Ideen halten, die ich ein, zwei Monate durchziehe und dann fallen lasse: Da habt ihr wahrscheinlich sogar Recht. Aber für 70€ bin ich bereit, das auszuprobieren, während das für 200-300€ wie in Deutschland nicht der Fall wäre.
Abends sind wir ein bisschen am Strand spazieren gegangen und haben das Basketball-Halb?finale in einem Café geguckt. Die Türkei hat gegen Serbien gewonnen und danach war erstmal für eine Stunde Hupkonzert in der Stadt...

Sonntag, 12.09.2010
Heute war Wahltag, aber ich glaube, ich habe mich nie korrigiert. Es ging nicht um die Regierung, sondern es war ein Referendum über verschiedene Gesetzesänderungen (wobei man nur für das Komplett-Paket abstimmen konnte und nicht über einzelne Änderungen).
Abends war das Basketball WM-Finale, wobei die Türkei gegen die USA verloren hat (Surprise...). Dafür waren wir im Foodcourt der größten Mall hier in Mersin und es war ein Coffeeshop mit nur englischen Kaffeenamen auf der Karte. Da war es umso lustiger, dass der Kellner mich nicht verstanden hat, als ich einen Irish Nut Cream Coffee oder wie das Ding hieß, bestellt habe...  Nach drei Malen habe ich einfach nur noch draufgezeigt. Es ist schon ein lustig, wenn die Kellner die Sachen auf ihrer eigenen Speisekarte nicht verstehen :)
Und im Gegensatz zu Türkisch weiß ich auch wenigstens, dass es nicht an falscher Aussprache lag :)

Montag, 13.09.2010
Nur ein bisschen rumliegen und lesen (Hey Anya, Gargoyle ist schon ziemlich cool, ich bin jetzt auch fertig :)
Abends war ich mal wieder einkaufen. Ich hätte gedacht, dass ich mich nach einem Monat mal daran gewöhnt habe, ständig angestarrt zu werden, aber es wird einfach immer nerviger.
In Ankara waren wir wenigstens meistens in einer Gruppe, so dass ich nicht das einzige Milchbrötchen war, und die Leute haben zumindest versucht, ein bisschen diskreter zu starren, aber hier... vergiss es. Wobei sie wenigstens etwas beschämt weggucken, wenn man zurückstarrt. Ich hoffe, dass ich niemals berühmt werde. Oder zumindest nicht in einem Job, wo Leute dein Gesicht kennen.
Als ich im Laden war, kam auf einmal ein Typ auf mich zu und hat gefragt, ob er sich mit mir unterhalten kann. Er war eigentlich ganz nett und so sind wir halt ein bisschen durch den Laden gelaufen, wobei ich es langsam unglaublich nervig finde, wenn Leute hier immer alles für dich tragen oder bezahlen wollen.
Wenn es zu schwer oder zu viel wird, nehme ich Hilfe gerne an, aber sonst will ich meine Scheißeinkäufe gefälligst selber tragen! Wahrscheinlich ist das alles einfach nett gemeint, weil hier sind die Leute durch die Bank weg so, aber GOTT, ist das NERVIG! UH!
Laura aus meinem Kurs in Ankara hat Familie in Ankara, die unbedingt alles für sie organisieren wollte und Laura wollte denen natürlich auch nicht vor den Kopf stoßen, aber ich frage mich echt, wie insbesondere Frauen hier jemals lernen, selbstständig zu sein, wenn ihnen praktisch jede Arbeit aus der Hand genommen wird.
Später sind wir dann kurz noch am Meer langgelaufen, wobei ich mich nur darauf eingelassen habe, weil er morgen für mehrere Monate zum Militärdienst nach Zypern fährt (wohl hoffentlich, bis ich wieder weg bin). Hier müssen alle Männer Militärdienst machen, aber wenn man vorher studiert hat, kann man das auf 5 Monate verkürzen.
Abends bin ich zum ersten Mal alleine Bus gefahren. Und es war erstmal eine Katastrophe.
Zuersteinmal muss man schnell genug erkennen, welcher Bus der richtige ist, was besonders im Dunkeln nicht so einfach ist, weil die einfach nur Aufkleber auf der Windschutzscheibe haben.
Ich habe dann einfach mehrere rangewunken und gefragt, ob sie zum Marinavista fahren (son Hochhaus hier mit ner Mini-Mall und Kino und Dachterasse und so).
Irgendwann meinte dann einer ja und ich bin eingestiegen.
Ich wusste so ungefähr, wo das war und er hat eigentlich für jeden ausgerufen, wo er/sie aussteigen musste, weil es war nur ein Minibüs und man sagt dem Fahrer einfach, wo man hinwill.
Irgendwann dachte ich dann, jetzt müsste ich aber bald mal da sein, und habe den neben mir gefragt, ob er das Marinavista kennt. Es stellte sich heraus, dass er aus Hamburg kommt und hier in Mersin gerade nur seine Oma besucht und sich deswegen auch nicht auskennt. Aber zumindest kann er genug Türkisch, um verstanden zu haben, dass der Fahrer, nachdem er "ja" gesagt hat, noch meinte, dass er eigentlich doch nicht dahin fährt.
Na toll.
Dann musste er raus und ich habe gedacht, ich steige auch einfach aus und laufe zur Hauptstraße zurück und frage mich zum richtigen Bus durch. Aber der Fahrer dachte wohl, ich steige einfach mit irgendwem Fremdes aus (an einer total belebten Straße, möchte ich hier mal erwähnen, eigentlich sind hier alle Straßen ziemlich belebt) und hat mich zurückgerufen. Er hat noch einiges gesagt, aber ich habe kein Wort verstanden. Und leider konnte auch niemand in dem Bus Englisch.
Irgendwann hatte einer Mitleid mit mir und ist ausgestiegen und hat mir den Weg zum Marinavista gezeigt. Wobei meine Schätzung ziemlich gut war, wir mussten nur zwei, drei Minuten laufen. Das war echt nett :)
Wobei das ein bisschen niedlich war, weil er nicht müde wurde, zu erklären, dass er zwar kein Englisch, aber dafür Arabisch und noch irgendwas spricht. Es schien ihm ein bisschen peinlich zu sein, kein Englisch zu können. Aber er war einer der wenigen Menschen hier, die die Kunst des langsam-und-deutlich-Sprechens beherrschen, was hier viele selbst auf Nachfrage einfach nicht hinkriegen.
Es ist mir in Deutschland schon mal aufgefallen, dass viele Menschen es einfach nicht können. Und auch ich hatte am Anfang ein bisschen Schwierigkeiten damit, mit Zeynep oder Betty wirklich die Worte zu trennen und deutlich zu sprechen und nur die wichtigsten Wörter zu sagen und alle nicht-notwendigen Details wegzulassen. Man sollte nicht meinen, dass das etwas ist, was man üben muss.
Als ich dann endlich meine Mitbewohnerin, ihren Freund und Şahin getroffen habe, haben wir auf einem Boot-Restaurant Fisch-Sandwich gegessen (sogar ich und es war lecker) und später waren wir noch woanders, wo es nur Nachtisch gab.
Als wir zurückgefahren sind, hat Feriha mir noch versprochen, dass sie das Busfahren noch mal mit mir übt.
Und dass ich nicht Minibus fahren soll, weil die zu schnell und gefährlich sind, wobei ich hier alles ziemlich schnell und gefährlich finde, so dass ich nicht so richtig den Unterschied sehe :)

Blick vom HotelfensterSahin (r.), sein Kumpel (l.) und ich im MarinavistaEin bissl Meer kann man von meinem Balkon aus sehen...Das auf den Dächern sind alles Solar-Wassererhitzer

 

06Sept
2010

Die fünfte Woche: Der erste Tag in Mersin

Oh, das Beste von der Busfahrt gestern habe ich ja ganz vergessen: Unverheiratete Frauen bzw. alleinreisende Frauen werden hier nicht neben Männer gesetzt. Allerdings hat wohl jemand bei der Buchung nicht aufgepasst und ich hätte neben einem Mann sitzen müssen (ja, das ist auch sehr dramatisch...). Obwohl ich zuerst dagewesen bin, wurde ich dann umgesetzt.
An der nächsten Haltestelle (immer noch in Ankara, deswegen nur ca. 10min später) kam dann aber eine Frau, deren Platz mit mir besetzt wurde und ich sollte mich schon wieder umsetzen, aber ich meinte, in der nächsten Stadt kommen neue Leute und dann muss ich wieder den Platz wechseln und dass ich das nicht will.
Dann haben sie etwas verwundert geguckt, aber ich habe einfach immer wieder gesagt "Problem yok, problem yok" (Es gibt kein Problem) und dann konnte ich einfach auf meinem ursprünglichen Platz sitzen, wobei die mir noch zweimal angeboten haben, ob ich nicht auf einen freien Zweierplatz will, aber ich hatte einfach keine Lust, noch mal Reise nach Jerusalem zu spielen.

 Montag, 06.09.2010

Nach dem Frühstück bin ich mit dem Bus zur Uni gefahren, wobei ich wenigstens schon wusste, dass es auf der Straßenseite, auf der ich einsteigen muss, keine Bushaltestellen gibt und man halt winken muss. Auf der anderen Straßenseite gibt es Bushaltestellen, aber die sind auch mehr so Richtlinien.
Da waren auch alle sehr nett und hilfreich und ich habe mir noch ein Wohnheim in Uni-Nähe angeguckt, wo es keine Ausgangssperre gibt (das dafür auch ungefähr doppelt so teuer ist).
Zumindest für Erasmus-Studenten gibt es keine, türkische Studenten müssen um Mitternacht wieder da sein (die Frau vom Wohnheim meinte, die Familien wollen das so).
Nicht, dass alle, die dort wohnen, auch schon über 20 sind...
Dann habe ich mich mit zwei anderen Erasmus-Studenten getroffen und zusammen sind wir zur Mall gefahren, damit ich mir eine türkische SIM-Karte holen kann.
Das hat erstmal ewig gedauert, weil ausländische Handys registriert werden müssen. Und die konnten dort kein Englisch. Zum Glück kam gerade die Managerin der Mall vorbei, die meinte, sie werde sich auch mal wegen einer Wohnung für mich umhören, und - falls ich mal irgendwas brauche - hat sie mir noch ihre Handynummer gegeben :)
Anschließend wollte ich eine Telefonkarte haben, damit ich günstig zu Hause anrufen kann und mir ist nichts Besseres eingefallen, als bei Mediamarkt zu fragen.
Der hat aber nicht gecheckt, was ich wollte (obwohl Telefonkarte telefon kartı heißt) und dachte, ich will eine SIM-Karte...
Der, der neben mir stand, hat 7 Jahre in Miami gelebt und dann netterweise für mich übersetzt (und aus dem Munde eines Türken hat er auch plötzlich telefon kartı verstanden, aber "telefon kartı yok", 3mal dürft ihr raten, was das heißt...)
Eigentlich könnte ich hier ein bissche Türkisch-Kurs machen :D var = es gibt; yok = es gibt nicht.
Das Gespräch läuft dann ungefähr so ab: (L=Lea, MM=MediaMarkt-Typ, U=Umut)
L: Affedersiniz, telefon kartı var mı? Entschuldigung, haben sie Telefonkarten?
MM: [eineMengeGebrabbel] ... SIM kartı ister misiniz? Möchten Sie eine SIM-Karte?
(mı/mi/mu/mü sind Fragepartikel für Ja-Nein-Fragen)
L: Hayır, telefon kartı istiyorum. Nein, ich möchte eine Telefonkarte?
MM: SIM-Karte mi? Eine SIM-Karte?
L: [frustriertes Grummeln] [den Nachbarn fragen, ob er Englisch spricht]
U an MM: Telefon kartı var mı? Haben Sie Telefonkarten? (klingt irgendwie vertraut...)
MM: Hayır, telefon kartı yok. Nein, wir haben keine Telefonkarten.
Hmmm, so viel falsch machen konnte man bei diesem Gespräch nicht. Und telefon kartı spricht man praktisch wie im deutschen aus...

Ich würde noch mehr schreiben, aber mein Akku ist gleich leer. Das Wlan reicht nicht bis in mein Zimmer, deswegen sitze ich wieder in Lobby, aber hier gibt's leider keine Steckdosen.
Fortsetzung folgt...

05Sept
2010

Das vierte Wochenende: Ankunft in Mersin

Sonntag, 05.08.2010

Suzanne ist morgens schon um 6:45 gefahren, bzw wollte sie das...
Aber da sie ihren Wecker nicht gehört hat, ist sie natürlich zu spät aufgestanden und die Wohnheim-Frau hat extra das Taxi zurückgerufen, dass schon wieder weggefahren war. In ihrer Eile hat sie natürlich nicht mehr so viel aufgeräumt und meinte: "Das können die dann machen". Ich wusste schon von den anderen, dass die das Zimmer hinterher komplett durchkontrollieren, aber ich wollte nicht, dass sie ihren Bus verpasst, deswegen habe ich nichts gesagt.
Aber hätte ich gewusst, dass ich so lange brauche, um das Zimmer aufzuräumen, hätte ich es mir zweimal überlegt. Eigentlich wollte ich erst um 9:30 aufstehen oder mich bis dahin zumindest wieder hinlegen, aber letztlich ist es darauf hinausgelaufen, dass ich bis um 11Uhr  aufgeräumt und gepackt habe... Bin ich manchmal zu gutmütig? Da habe ich nämlich gedacht, dass bin schon wieder typisch ich.
Und als ich Bus saß, rief sie mich an und meinte, ob ich Nikolas Nummer habe (der war im gleichen Bus wie sie), weil sie habe ihren Laptop im Bus vergessen. Dann habe ich fast 10€ dafür ausgegeben, allen Leuten, deren Nummer ich hatte, eine SMS zu schreiben, ob sie die Nummer von Nikolas hätten... Die ersten 4-5€ gingen dafür drauf, dass Suus mich angerufen hat. Ich brauche dringend eine türksiche SIM-Karte, die Roaming-Gebühren sind einfach unglaublich.
Aber ich muss ja mal sagen, dass das nicht so überraschend war... ich habe sie morgens gefragt, ob ich den Laptop in ihre Tasche packen soll, weil ich ziemlich genau sowas erwartet habe, als sie mit dem Laptop unterm Arm geklemmt loslief... "Aber nee nee, das geht schon" Da wollte ich auch nicht das Kindermädchen spielen. Hate to say I told you so.... - nein, eigentlich würde ich am liebsten genau das sagen, wenn es nicht der große Bruder von Shut the fuck up wäre.
Ok, ich schreibe gerade ein bisschen komisch.
Ich glaube, dass liegt an der Hitze. Mersin ist unglaublich. Ich wusste nicht, dass es außerhalb von Nebeltunneln so eine Luftfeuchtigkeit geben kann.
Als ich gegen 20Uhr angekommen bin, waren es noch 30°C und ich glaube, seitdem hat sich noch nicht viel geändert (jetzt ist es 23Uhr).
Die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass es ein bisschen nebelig ist. Nicht doll, aber genug, dass Straßenlaternen einen Hof haben.
Und es ist so eine Art Luft, wo man nach 5min nicht mehr weiß, ob die Feuchtigkeit Schweiß ist oder aus der Luft kommt. Wobei ich als Hauptfaktor auf letzteres tippen würde, weil ich mich eigentlich nicht fühle, als würde ich so sehr schwitzen... Aber es schon krass, dass die Luftfeuchtigkeit so hoch ist, dass man das nicht mehr unterscheiden kann.
Eigentlich bin ich ja nicht so'n Klimaanlagenfan, aber selbst ich habe sie jetzt eingeschaltet.
Bzw. ich sitze gerade in der Lobby, weil das Wlan nicht bis in mein Zimmer reicht.
Ich bin ein bisschen angepisst gerade. Nachdem mir gesagt wurde, dass ich 30TL für das Zimmer bezahle (was ich schon teuer finde, aber ich wollte es auch nicht ablehnen, nachdem die so einen Aufwand betrieben haben, um es für mich zu reservieren), meinte der an der Rezeption zuerst, es wären 62,50TL, also der volle Preis.
Zum Glück hatte mich ein Freund meiner Tandempartnerin abgeholt und hat das dann auf 37,50TL runtergehandelt.
Aber das sind immer noch knapp 19€ pro Nacht :(
Ich hoffe, ich finde gleich morgen eine Wohnung oder so :)
Die Freundin von einem aus meinem Kurs kommt auch aus Mersin. Auch die will sich mal umhören.
Ich habe auch überlegt, ob ich notfalls auch ein unmöbliertes Zimmer nehme und mir so eine Gäste-Klappmatratze besorge. Auf meiner zu Hause kann ich sowieso besser schlafen, als in den Betten hier.
Bzw das Schlafen geht, aber aufwachen mit Rückenschmerzen weil Bett zu weich ist nicht so toll... Und für einen Schreibtisch würde mir auch eine Spanplatte und ein paar Kisten oder so was reichen. Wenn schon auberge espagnole, dann auch richtig :)

Jetzt geh ich aber mal in die Heia, damit ich morgen auch möglichst frühzu meiner Koordinatorin fahren kann.

04Sept
2010

Das vierte Wochenende: Letzter Samstag in Ankara

Samstag, 04.09.2010

 Das mit der Bescheinigung war heute doch nicht ganz so einfach, wie der Typ das gestern meinte, aber nach 2 Stunden habe ich dann doch einen Zettel inklusive Stempel gekriegt.
Ansonsten habe ich heute nur Wäsche gewaschen und ein bisschen gechillt und es genossen, das Zimmer für mich zu haben.
Langsam war es auch genug Gruppe. Ich freue mich, die alle mal wieder zu besuchen, aber fürs erste bin ich froh, dass es vorbei ist, sonst würde ich bald zum Misanthropen.
Und weils für heute sonst nix zu erzählen gibt, wollte ich euch ein schönes Foto nicht vorenthalten: Dieser Mann, der auf der Ladefläche des Transporters auf seinem Drehstuhl sitzt, war doch etwas inspirierend... Aber so ist das halt, wenn man umzieht und nicht genug Platz hat.
Birgitt, Gerd: Fürs nächste Mal umziehen wissen wir jetzt, wie man das macht.
Das Foto ist leider etwas unscharf, weil ich es vom Bus aus gemacht habe.

Umziehen für Fortgeschrittene

03Sept
2010

Die vierte Woche: Amasra

Freitag, 03.09.2010

Heute sind wir um 7Uhr morgens nach Amasra an schwarze Meer gefahren.
Ich bin erst um 3 ins Bett gegangen und habe mich gefragt, ob ich den Tag überhaupt durchhalte, aber letztlich ist es gar nicht so schlecht gewesen, so konnte ich wenigstens die 4.5 STD Busfahrt durchschlafen. Als wir angekommen sind, gab es am Meer so eine kleine Sportanlage wie man sie sonst meistens aus schlechten amerikanischen Filmen kennt...
Danach sind wir in der Stadt rumgelaufen und wollten Essen gehen.
Da ist mir aber wieder klar geworden, warum ich nicht so gerne in großen Gruppen reise:
Zuerst haben wir in der Stadt auf einen Teil der Gruppe gewartet, die einfach nicht gekommen sind. Dann sind wir nach 20min warten vom ersten Restaurant wieder weggegangen, weil die uns nicht auf der Dachterasse bedienen wollten (ja, das ist schon ein ziemlich guter Grund, um wegzugehen, nachdem die schon angefangen haben, das Essen zuzubereiten).
Dann waren wir endlich bei einem anderen Restaurant, dann haben die Lehrer eine ganze Weile um den Preis verhandelt, während wir wieder draußen gewartet haben. Dann war der Preis nicht gut genug und dann gab es das Gleiche nochmal beim Nachbar-Restaurant.
Die waren dann aber noch teurer und es ging wieder zurück zum zweiten Restaurant, wo wir dann letztlich auch geblieben sind.
Dann gab es aber wieder ein anderes Problem: Die vom Restaurant haben extra für uns ein Menü hergestellt. Warum große Gruppen nie einfach mal was von der Karte bestellen können, ist mir immer noch ein Rätsel. Immer gibt es diesen Heckmeck mit den fixen Menüs, die aber ein Teil der Leute nicht wollen.
Wir haben eine ganze Menge Vegetarier in der Gruppe (und das müsste langsam bekannt sein, auf den letzten Ausflügen gab es die Diskussion auch schon oft genug), aber das einzig mögliche Menü war ein Fischmenü. Und ohne Fisch wollten die das nicht servieren.
Letztlich lief es darauf hinaus, dass nicht jeder einen Teller voll Essen gekriegt hat, sondern einfach alles in der Mitte stand.
Oh Mann, wir fahren 9 Stunden Bus, und die Hälfte der 4 Stunden, die wir in der Stadt sind, verbringen wir mit Warten oder Diskussionen um Preise (der Unterschied war umgerechnet 1€...)
Zumindest war das Essen gut. Letztlich war es dann auch ganz nett, nachdem erstmal die Essensfrage geklärt war.
Sogar ich habe Fisch gegessen, muss ich mal dazu sagen. Und dass, obwohl man den Fisch noch sehr gut erkennen konnte.
Der war halt nur ausgenommen und frittiert, aber Kopf und Schwanz waren noch dran und das ist ja nicht so meins. Zerhäckselt und in Schafdarm ist ok, aber so komplett?
Wobei ich auch die letzten zwei Tage schon Fleisch gegessen habe, zuerst irgendwas von Huhn und am nächsten Tag Hähnchekeule.
Ich glaube, das letzte Mal, als ich Hähnchenkeule gegessen haben, haben wir uns noch fast geprügelt, wenn es darum ging, wer die Haut kriegt... Ok, das klingt gerade irgendwie eklig.
Ich frage mich, ob die Türkei wirklich der beste Ort ist, um wieder mit Fleischessen anzufangen, aber dieser Ort pfuscht sowieso mit meinem Appetit.
Irgendwie passt pfuschen gerade nicht als Wort, aber mir fällt gerade keine bessere Übersetzung ein für "This place is messing with my appetite".
Auf jeden Fall bin ich schon wieder so weit, dass mir englische Wörter schneller einfallen als deutsche (wenn mir die deutschen überhaupt einfallen).
Und inzwischen habe ich hier mehr Cola getrunken als in den letzten 5 Jahren zusammen. Ich habe in Safranbolu mal versucht, Cola abzusetzen, aber ich merke auch, dass ich den Zucker brauche. Am Vormittag gings noch, aber nachmittags habe ich gedacht, meine Knie knicken unter mir ein, wenn ich jetzt nicht ganz schnell ein Getränk mit ganz viel Zucker kriege.
Aber zurück zu Amasra.
Nach dem Essen sind wir noch ein bisschen durch die Stadt spaziert, aber viel Zeit war nicht mehr.
Eigentlich hatte ich beschlossen, mit ein paar anderen über Nacht dazubleiben und am Strand zu schlafen (Ausländer dürfen das hier nämlich, Türken aber nicht...), aber Samstags gibt es nur einen Bus um 5, der nach Ankara fährt und so spät wollte ich dann doch nicht zurück.
Als ich dann im Bus zurück saß, habe ichs erst bereut, wann hat man schon mal wieder die Gelegenheit, am schwarzen Meer am Strand zu schlafen und ist jung genug, um es auch wirklich zu machen?
Aber letztlich war es ganz gut, dass ich zurückgefahren bin: Als wir angekommen sind, habe ich noch Tabea getroffen, die heute ihre Aufenthaltsgenehmigung beantrag hatte (sie ist um 10 losgefahren und war um 18:30 wieder da...) und sie hat erzählt, dass sie für den Monat, den sie schon hier ist, eine Bestätigung brauchte, wo sie gewohnt hat.
Und da war die 24-Stunden-Überwachung, die es hier in den Wohnheimen gibt, wenigstens einmal von Vorteil: Wir sind um kurz vor Mitternacht noch dahin gegangen und haben gesagt, dass wir diesen Wisch brauchen (wenigstens war ein Türke dabei, der das alles erklären konnte). Die konnten uns den noch nicht geben, weil da jemand Offizielles seinen Stempel raufsetzen muss (Stempel sind hier sehr beliebt), aber irgendwie haben die das jetzt geregelt und wenn ich da morgen früh noch mal hingehe, werde ich hoffentlich den Zettel kriegen.
Ich will gar nicht wissen, was das für ein Spaß wäre, wenn ich ohne sowas nach Mersin fahre und dann noch mal hier anrufen und auf türkisch erklären muss, was ich brauche (auch nach einem halben Jahr Schweiz habe ich so gut wie möglich versucht, das Telefon zu meiden. Vieles ist unglaublich schwer zu verstehen, wenn man nicht Mimik und Gestik zur Unterstützung hat).


Hier in der Türkei gibt es so unglaublich viele streunende Hunde und Katzen, das ist echt kaum zu fassen. Ich verstehe manchmal auch nicht ganz, wo die alle herkommen. Die sehen sich auch alle so unähnlich, dass man nicht das Gefühl hat, dass die irgendwelche gemeinsamen Vorfahren haben.
Als wir in dem Restaurant (bzw. draußen) waren, sind die ganze Zeit mindestens 5 Katzen um uns rumgeschlichen, die sich ein bisschen Fisch erhofft haben. Und ein paar Hunde lagen da auch rum.
Und auch hier der Campus ist voll von Katzen und Hunden (die auch ziemlich gut miteinander auskommen, wenn man bedenkt, dass sie alle um Essen kämpfen müssen...).
Das ist echt eine Herausforderung, die nicht zu streicheln (die meisten sind sowieso nicht zahm). Ich habe mich schon so über die Wohnheimkatze in Potsdam gefreut, obwohl ich sie selbst vom Charakter her eigentlich nicht so mochte. Und hier laufen hunderte von Katzen rum und die ganze Zeit würde ich am liebsten eine auf den Arm nehmen.
Aber wer weiß, was die alles für Krankheiten haben, die meisten sehen nicht so gesund aus.
Wer weiß, vielleicht komme ich ja in eine Wohnung mit Katze :)

Hui, das ist jetzt aber wieder lang geworden...
Eigentlich wollte ich nur mal eben kurz vom Tag erzählen, damit ich die Ankara-Erzählungen fertig habe, bevor ich nach Mersin fahre...

 

Oh, btw, zuerst habe ich bei meinen Bildern ja gedacht, ich hätte unbemerkt zugenommen, aber offensichtlich sehen auf meinen Bildern alle ein bisschen klein und pummelig aus :D

 Bucht von AmasraBucht und offenes MeerFelsen in der Brandungwie Poesie...Judith und ichDie Sportgeräte... und wie man sie nicht benutzen sollte

02Sept
2010

Die vierte Woche, Szene 1

31.08.-02.09.2010

Am Dienstag sind wir im Unterricht mal eben so durch die letzten 20 Seiten vom Buch gestürmt. Dazu kam dann das Projekt, wo ich so schöne Wörter wie gotische Kirche und klassizistische Rotunde rausfinden musste (die ich mir natürlich wieder ohne Probleme merken kann).
Neu-gotisch kannte leider keines der (Internet-)Wörterbücher. Aber Klinker war einfach, das heißt auf türkisch auch klinker.
Dazu hatte ich noch Zeynep gefragt, ob sie meinen Text Korrektur lesen kann und sie hat auch Stil mitkorrigiert, was dann darauf hinauslief, dass ich meine eigenen Sätze nicht mehr verstanden habe. Und irgendwie konnte sie das auch nicht so richtig nachvollziehen, als ich ihr gesagt habe, dass ich es nicht so schlimm finde, wenn das alles in Kindergarten-Stil geschrieben ist, Hauptsache, es ist noch mein Text und ich verstehe, was da steht.
Am Ende des Tages hatte ich dann so die Schnautze voll von Türkisch, dass es für ein paar Stunden echt verlockend war, mich nicht mehr darum zu bemühen, wie stilistisch gute Sätze im Türkischen konstruiert werden.
ps: Man macht einfach einen einfachen Satz und packt dann alle Zusatzinformationen vor die Nomen. So wörtlich wie möglich übersetzt gibt es dann Sätze wie: Nach Graf Anton Günther's Tod erbte der als am nächsten seiender männlichr Verwandter der König von Dänemark das erbenlose Oldenburg.
Oder auf türkisch: Kont Anton Günther'in ölümünden sonra en yakın erkek akrabası olan Danikarka kralı, varisi olmayan Oldenburg mirasını almıştır.
Und der Saz kommt von mir :)

Am Mittwoch haben wir dann eine Klausur über die Grammatik vom Vortag geschrieben (sehr nett, danke) und über Grammatik, die wir bis dahin überhaupt nicht gelernt haben (auch sehr nett, danke) mit einem Text über Blumen, bei dem ich (und die meisten anderen genauso) mindestens die Hälfte der Wörter nicht kannte (nochmal danke) und wir zur Krönung kein Wörterbuch benutzen durften.
Ich glaube, in dem Text ging es darum, was mit der Seele des Menschen passiert, wenn es keine Blumen und Bäume mehr gibt und wie dann in Zukunft die Kinder in Schulen alles über die noch verbleibenden Blumen lernen.
Vielleicht hieß es auch, dass sie von einem strangen Australier namens Steve Irwin verfolgt werden, aber ich konnte den Dialekt nicht so genau einordnen
(außer Lea und Anya braucht sich keiner darüber Gedanken machen, was das wohl heißen könnte...)
Da der Lehrer aber die meiste Zeit draußen telefoniert hat, haben wir kollektiv beschlossen, dass wir doch Wörterbücher benutzen.

Heute haben wir dann die Zertifikate bekommen. Die haben da ne Riesenshow draus gemacht mit einzeln nach vorne kommen und kleinen Törtchen und Smalltalk und alles auf Video aufnehmen und der Präsident der Uni und die Erasmus-Koordinatorin der gesamten Uni haben und die überreicht und dann wurde noch Reden gehalten und eigentlich haben so ziemlich alle gedacht: Gebt uns einfach die Zettel und lasst uns gehen...

Und ich habe noch ein paar Fotos vom Campus gemacht. Das Campus-Feuerwehrauto war leider nicht mehr da, wo es letztes Mal stand, deswegen habe ich davon leider kein Foto :(


Morgen (bzw in 6 Stunden) fahren wir nach Amasra ans schwarze Meer. Keine Ahnung, wer das ausgesucht hat. Wir fahren 4 Stunden hin und 4 Stunden zurück und haben dort dann ungefähr so 3-4 Stunden zum Gucken. Wahrscheinlich werde ich mit noch ein paar anderen bis Samstag da bleiben. Aber mal sehen, im Moment habe ich nicht so Bock.
Am Sonntag fahre ich dann um 1 los nach Mersin und bin dann gegen 8 Uhr da.
Nachdem ich der Erasmus-Koordinatorin geschrieben habe, wann ich ankomme, und sie gefragt habe, ob sie zufällig ein günstiges Hostel in Mersin kennt, hat sie mir plötzlich eröffnet, dass sie mir für die ersten 3 Tage einen Übergangs-Wohnheimplatz oder so etwas reserviert hat. Gut, dass man sowas erst so kurz vorher erfährt...
Wobei ich eigentlich hoffe, dass ich doch bei Ayben übernachten kann (sie studiert hier in Ankara, kommt aber aus Mersin). Ich will nicht das ganze Semester bei einer Familie wohnen, aber so probeweise ist das bestimmt spannend. Vor allem wäre es cool, wenn ich beim Zuckerfest (Ende vom Ramazan) dabei sein könnte. Aber das glaube ich eigentlich nicht. Das ist son bisschen wie Weihnachten: Jede Menge Essen und Verwandte besuchen.

Und ich habe jetzt Kontakt zu einer, die mir für 150TL (es gibt keine Nebenkosten) ein möbliertes Zimmer in Pozcu (der Stadtteil, in dem ich auch wohnen möchte) angeboten hat. By the way, 150TL sind ca. 75€...
Ich hoffe, das wird was.

Der intermediate-KursDer Campus-KrankenwagenAuf dem CampusBlick auf Supermarkt/Café und Student HomesL Blok - unser Wohnheimunsere Küchemein Zertifikat

Nachtrag: Seit gestern abend ist youtube wieder zugänglich. Am 12. September wird die Regierung neu gewählt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

02Sept
2010

Das dritte Wochenende: Safranbolu

28.-30.2010

Am Samstag sind wir morgens nach Safranbolu gefahren und wie der Name ganz dezent andeutet, war bzw. ist die Stadt berühmt für Safran. Statt der Möhrenmarmelade gibt es hier Safranmarmelade. Oder Safranlokum. Oder Safranseife. Oder einfach nur Safran.
Auch hier haben wir wieder ein ziemlich cooles Hostel erwischt. Das ist ein Familienbetrieb und ich glaube, die Familie hat einfach einen Teil ihres Hauses in ein Hostel umgewandelt. Und das ist noch eins von diesen traditionellen Häusern mit sonem ganz bestimmten Wandschmuck und alles aus Holz und so. Und Schuhe musste man ausziehen, wenn man nach oben zu den Schlafräumen gegangen ist - auch sehr ursprünglich :)
Es war aber ganz gut, dass wir zu sechst waren und ein Zimmer mit einer Tür gekriegt haben. Ein Zweier"zimmer" war einfach auf dem Flur hinter einem Vorhang.
Die erste Hälfte des Nachmittags haben wir aber größtenteils verpennt, weil wir am Abend vorher noch feiern waren. Und weil wegen Ausgangssperre sind wir natürlich bis morgens in Ankara geblieben und haben noch eineinhalb Stunden bei einer Bekannten dort geschlafen.
Sie teilt sich die Wohnung mit ihrer Schwester und die haben ein riesiges Wohnzimmer... Wohnzimmer (= Zimmer wo Besuch reinpasst) werden hier ganz groß geschrieben.
Und gebaut.
Deren Wohnzimmer war mehr als doppelt so groß wie mein WG-Zimmer in Potsdam. Man merkte echt, dass die anderen auch nichts anderes gewohnt sind: Zuerst kam das "Wow, ihr habt ein Wohnzimmer!" und als sie uns etwas verwirrt angeguckt hat "Und auch noch mit Sofas!".
Am Nachmittag sind wir dann ein bisschen in der Stadt rumgelaufen. Obwohl es sehr touristisch ist, war es sehr viel angenehmer als in anderen touristischen Städten. Man wurde nicht die ganze Zeit angelabert, sondern wurde eigentlich größtenteils in Ruhe gelassen.
Aber es war fast unerträglich heiß.
Die Woche davor hat es sich in Ankara ein bisschen abgekühlt (nur noch so 32-33°C), aber in Safranbolu waren es schon wieder so um die 40 und dann auch noch ohne den Wind, der Ankara auch bei Hitze einigermaßen erträglich macht.
Abends haben wir dann im Café gesessen und Tavla gespielt.
Später sind wir zufällig an einem Freilichtkino vorbeigekommen, wo anlässlich des Feiertags am Montag ein sehr patriotischer Film gezeigt wurde.
Verstanden haben wir erst etwas, als sich zwei Mädchen neben uns gesetzt haben, die Englisch sprachen und uns erklärt haben, wer da gegen wen kämpft.
Das war die Handlung: In den Zwanziger Jahren kämpft die Türkei um die Unabhängigkeit, dann werden aus der Stadt (es spielte auch in Safranbolu) 120 Jungen zur Armee einberufen, sie ziehen alle in die Wüste, um zu kämpfen, dann werden sie von einem Schneesturm überrascht (weil es gerade Winter ist), dann beschießen sie sich mit einer Handvoll von Gegnern, dann laufen sie wieder zurück. Wegen der Kälte und des fehlenden Essens liegen sie dann irgendwann alle im Schnee, aber der Fahnenträger schafft es noch, in einer sehr dramatischen Szene die Flagge aufzustellen.
So wie in Actionfilmen, wo der angeschossene Held sich zu seiner Pistole wälzt und sie gerade so erreicht, so stellt der Fahnenträger die Fahne auf, wobei die Kraft natürlich nicht mehr reicht, um selbst aufzustehen oder so.
Aber Hauptsache die Fahne sitzt.
Irgendwie haben sie sich doch noch aufgerafft und sind wieder zurückgelaufen, wobei die meisten letztendlich im Krankenhaus aber doch gestorben sind.
Also die Quintessenz dieses Filmes war: Kindersoldaten laufen in die Wüste, schießen ein bisschen, laufen wieder zurück und sterben. Aber gelohnt hat es sich trotzdem...

Am Sonntag haben wir mit dem Hostelbesitzer als Guide eine Tour durch die Umgebung gemacht.
Zuerst waren wir in einer Tropfsteinhöhle. Die war echt ziemlich cool und riesengroß! Man kann da über mehrere Stockwerke so um die 500m in die Höhle rein. Und um den Coolnessfaktor noch zu erhöhen, ist plötzlich der Strom ausgefallen und wir standen in dieser riesigen Höhle im Dunkeln rum.
Da war auch der Guide ein bisschen geschockt, weil das seit der Eröffnung vor so 15 Jahren wohl der erste Vorfall dieser Art war.
Aber Lea hatte in ihrem Survival-Täschchen natürlich eine kleine LED-Taschenlampe, mit der wir die Tour dann weitergemacht haben - wir waren sowieso schon halb durch und dachten uns, dann haben wir zumindest ne coole Geschichte zum erzählen und die Musik, die da die ganze Zeit gedudelt hat, hat sowieso genervt.
Aber da mache sich noch mal jemand darüber lustig, dass ich immer so viel Krimskrams mit mir rumschleppe! So!
Nach der Tropfsteinhöhle sind wir dann zu einem Canyon gefahren. Da waren wieder sehr interessante Steinschichten, wo manche Teile schneller erodieren als andere. Das macht echt interessante Muster!
Wir waren an einer Brücke über den Canyon (mal wieder alles komplett ungesichert), das war echt schön dort!
Zum Abschluss waren wir noch in einem Dorf, dass noch ziemlich so ist wie vor hunderten von Jahren. Dort waren wir dann in einem Museum (bzw. das sind einfach normale Häuser und Waschräume und so, die man sich jetzt für 1TL angucken kann).
Die Besitzerin des Hauses ist so ziemlich die krasseste Frau, die ich je getroffen habe! Sie ist 65 und wir haben alle im Armdrücken gegen sie verloren.
Dann hat sie mich noch gefragt, ob ich ihren Sohn heiraten möchte.
Angela durfte sich einen Gözleme selbst machen (so ähnlich wie Pfannkuchen, mit verschiedenen Füllungen), aber der war etwas unförmig und da hat sich die Frau total darüber lustig gemacht und meinte, dass Angela so ja überhaupt keine Chance hat, einen Mann zu finden.
Dann hat Grischka noch mal beim Armdrücken verloren. Vielleicht auch deswegen, weil die Frau zwischendurch beschlossen hat, das Schlamm-Catchen (ohne Schlamm) doch eigentlich viel lustiger ist :)
Abends waren wir dann im Hamam. Und wir haben die Luxus-Variante mit Peeling und Massage genommen. Wobei man das nicht tun sollte, wenn man an seiner obersten Hautschicht hängt.
Ich hatte mir so gedacht, wenn wir sowieso ins Hamam gehen, dann brauche ich morgens nicht extra zu duschen und beim Peeling sind dann der ganze Staub und Schweiß und Sonnencreme des Tages in hellgrauen Dreckröllchen runtergekommen - das war dann doch ein bisschen peinlich... Ich schieb's mal auf die Sonnencreme, die das ganze natürlich auch schön auf der Haut gehalten hat :)
Abends waren haben wir wieder Tavla gespielt und im Café gesessen.
Eigentlich hatte ich am Montag ein Ticket für um 4, aber ich wollte schon früher fahren, weil ich bis dahin noch überhaupt nichts für meine Abschlussarbeit gemacht hatte (ein paar Seiten über Oldenburg schreiben).
Da habe ich den Hausvater gefragt, ob es möglich ist, die Bustickets umzutauschen und zu einer anderen Zeit zu fahren.
Aber anstatt einfach "ja" zu sagen, hat er - und das nenne ich jetzt mal typisch türkisch - eine halbe Stunde für mich durch die Gegend telefoniert, um zu gucken, mit welchem Bus ich fahren kann. Der einzige Bus, wo noch was frei war, war der um 11:30, aber es war schon 11:10.
Dann hat er noch seinen Kumpel, den Taxifahrer, angerufen, der mich dann für weniger Geld, aber doppelt so schnell, zum Busterminal gebracht hat und dort dann noch den Ticketumtausch für mich organisiert hat.
Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich ein paar Minuten zu spät war und die extra auf mich gewartet haben :)

Zurück in Ankara habe ich dann erstmal eine dreiviertel Stunde an der falschen Bushaltestelle gestanden, weil dort zwar ein Schild war, wo Beytepe draufstand, aber der Bus da im Moment gar nicht fährt...
Aber irgendwann bin ich dann doch angekommen.

unser Zimmerin der Höhleund immer tiefer in die Höhledas Glitzernde sind Mineralienund dann war das Licht ausAuf der Brückeauf der Brückedie GesteinsschichtenTabea beim Tavla spielen

02Sept
2010

Die dritte Woche

23.-29.08.

Die einzelnen Wochentage verschwimmen immer mehr, ich vergesse immer, welcher Wochentag eigentlich gerade ist, besonders am Montag oder Dienstag :)
Ich frage mich, warum immer Dienstag... Damals, als ich noch in der Schule war :) gab es einmal Ferien, wo ich so fast 2 Wochen lang jeden Tag dachte, es wäre Dienstag.
Jaja, das Alter.

Der Test ist gut gelaufen, das Wetter war nicht mehr ganz so heiß (ich hatte zum ersten Mal abends einen Pulli an) und ich habe sogar eine Wolke gesehen. Huiuiuiuiui

Freitag waren wir in Beypazarı, das ist eine Stadt nordwestlich von Ankara.
Die Stadt ist bekannt für Karotten und Silber (coole Mischung)
Hier kann man alles mit Karotten kriegen: Eis, Marmelade, Gözleme, pur und wie auch immer es das Herz begehrt.
Wir wurden durch ein paar Workshops geführt, wo mit Pflanzen Wolle gefärbt wurde, dann waren wir noch in der Weberei und in einem Workshop, wo Frauen Bordüren an Tücher gehäkelt haben. Das war auch ziemlich spannend.
Aber am besten war natürlich die Silber-Werkstatt. Wir durften dem, der uns das alles gezeigt hat, eine Figur sagen und er hat sie aus Silberdraht geformt. Anschließend konnte man auch noch Silberschmuck kaufen.
Und der war so günstig, dass ich ein zu schlechtes Gewissen hatte, noch zu handeln zu versuchen. Ich habe mir dort einen Ring gekauft und bei einem anderen Laden noch zwei Anhänger und eine Kette dazu und insgesamt habe ich dafür 60TL, also umgerechnet 30€, bezahlt. Und alles komplett aus 925er Sterling.
Ich verstehe nicht so ganz, wer hier wie die Preise festsetzt.
SMS zu verschicken ist hier teurer als in Deutschland und Elektrogeräte z.T. auch. Und die Benzinpreise sind irre hoch. Mangels Auto habe ich in Deutschland nicht so sehr drauf geachtet, aber hier kostet der Liter so um die 1,40€ oder mehr.
Und dann kriegt man auf der anderen Seite sowas wie Silberschmuck geradezu hinterhergeschmissen...
Weirdomatico :S <- das soll ein verwirrter Smiley sein

 DIe Felder, die wir auf dem Weg gesehen haben, waren auch sehr cool, aber ich glaube, auf dem Foto kann man das nicht so genau erkennen: Die gehen so weit den Hügel hoch wie möglich, dadurch haben die Felder total witzige Formen.

 Hoch die MöhrenSoviel Silber...Felder

01Sept
2010

Das zweite Wochenende: Kapadokya

Lang lang hat's gedauert, aber jetzt beuge ich mich den Beschwerden und schreibe mal wieder was Neues :) Es war so viel los seit dem Freitag vor Kapadokya, obwohl ich mich fast nur noch an die Wochenenden erinnern kann. Ich habe echt keine Ahnung mehr, was ich letzte Woche so gemacht habe... Aber ich habe schon seit fast zwei Wochen nicht mehr geschrieben, oder? Hmmm. Wo ist bloß die Zeit hin...

 Samstag, 21.08.2010

Wir sind morgens um ca 6Uhr Richtung Kapadokya losgefahren.
Für 1200Lira (ca 600€) sind wir mit knapp 30 Leuten losgefahren. Eigentlich sollte die Tour 1000TL kosten, aber für 200TL extra hat uns der Busfahrer das komplette Wochenende durch die Gegend gefahren (was auch sehr gut war, die einzelnen Sachen liegen doch schon ein bisschen auseinander)
Kapadokya ist eine Region südöstlich von Ankara und ist echt ziemlich krass. Die Gegend besteht fast komplett aus Tuffgestein (ein gut zu bearbeitendes Lavagestein).
Zuerst haben wir am Tuz Gölü (Salzsee) haltgemacht. Und der verdient seinen Namen.
Auf dem googlemaps-Screenshot kann man einigermaßen sehen, wie groß der ist: Über 50km lang und um die 25km breit. Und alles komplett voll Salz. Viel Wasser hat der auch nicht mehr.
Wir sind an einer Stelle vorbeigekommen, wo sogar Wasser an der Oberfläche war, aber das nur ein winziger Teil. Man kann ohne Probleme auf dem See laufen, aber wenn man sich hinsetzt, merkt man doch, dass es eigentlich ein See ist :)
Wir haben dann auf dem See gefrühstückt. Nikolas hatte Mülltüten mit, auf die wir uns dann gesetzt haben.
Oh, und das geht vor allem an Birgitt :) Das Wasserloch war schon da und ich nehme an, dass es sich einfach mit Wasser füllt. Das ist nicht so wie bei Eis, wo man durch die Eisschicht durch ist, sobald man auf flüssiges Wasser trifft. Sondern auch kleine, oberflächliche Löcher sind voll Wasser.

Tuz Gölü, Punkt A = Göreme, oben links AnkaraRauf auf den SalzseeGanz schön groß ist der See...Da fühlt man sich doch gleich viel besserEin WasserlochGanz schön windig und kalt wars...

 

Danach waren wir im Ihlara-Tal. Das ist eine Schlucht, die wie der Grand Canyon von einem Fluss gegraben wurde. Später haben dort Mönche gesiedelt und Dutzende von Kirchen in den Stein gehauen (und bemalt). Während das umgebende Land wüstenartig ist, ist im Canyon ein kleines Paradies. Es hat mich ein bisschen an Glendalough erinnert: Alles war so üppig und grün und sah so "saftig" aus. Dazu die Trampelpfade durchs Dickicht und das kleine Flüsschen, das mittendurch plätschert.

Am Abend waren wir noch in der Unterirdischen Stadt.
Die Leute waren damals ziemlich schlau. Im Sommer ist es hier sehr heiß und im Winter eisekalt.Und da haben sich die Hetiter (da sind se wieder) gedacht, sie hauen sich einfach mal Höhlen in den Stein, denn da ist es das ganze Jahr über ziemlich gleich warm. Zuerst haben sie in unterirdischen Städten mit einem Stockwerk gewohnt und später wurde das ganze aber ausgebaut und hat heute acht Stockwerke. Es gibt wohl ziemlich viele von diesen Städten, und an einer Stelle war auch ein Tunnel, der über 10 Kilometer in die nächste Stadt führt.
Der Ort liegt an der Seidestraße und wegen der Infrastruktur kamen da nicht nur Händler, sondern auch Heere vorbei. Wenn Soldaten kamen, sind die Bewohner in die unterirdische Stadt gegangen (samt Hab und Gut und Tieren wegen der Plünderungen) und haben dort gewartet, bis die Soldaten wieder weg waren. Das Maximum war wohl ein Monat (zumindest in der Zeit, über die mehr bekannt ist. Die Hetiter sollen dort ganzjährig gelebt haben). Jedes Haus hatte einen eigenen Zugang zur Stadt. Die Wege sind aber jetzt zugemauert. Der Guide meinte, es habe die Bewohner doch etwas irritiert, wenn plötzlich ein paar Japaner mit Kameras in ihrer Küche standen :)
Das Belüftungssystem ist superschlau gemacht: Die haben dort unten ja auch gekocht, aber damit der Rauch die Lage der Stadt nicht verrät, gibt es nicht nur vertikale, sondern zumindest über den Kochnischen auch horizontale Schächte, die den Rauch erst um die 400m weiter zur Seite geleitet haben. Außerdem sind das auch Belüftungsschächte: Man kann ohne Probleme 50-60m unter der Erde sein, ohne dass es Probleme mit dem Sauerstoff gibt. Und damals haben sich da tausende von Leuten aufgehalten + Feuer für die Beleuchtung.
Es gibt auch eine eigene Weinpresse - damit die Enge leichter zu ertragen ist.
Sogar an eine Leichenhalle wurde gedacht: Die liegt direkt an einem vertikalen Schacht. Wenn die Toten nicht raustransportiert werden können, weil Soldaten an der Oberfläche waren, hat man die Toten mumifiziert und dort gelagert. Und wenn die Leute wieder an die Oberfläche konnten, haben sie die Toten durch den vertikalen Schacht gleich nach draußen gebracht, ohne sie durch die ganze Stadt tragen zu müssen. Außerdem ist so der Geruch gleich nach oben gestiegen. Weil das ist auch so angelegt, dass durch diesen Schacht die Luft nach draußen geht und nicht von außen nach innen kommt und so den Geruch in die Stadt weht.
Und das ist noch nicht alles: Es gibt auch eine Kirche und eine Schule und einen Versammlungsraum. In dem Versammlungsraum ist über der Stelle, wo der Sprecher steht, eine Vertiefung in der Decke. Dadurch wird der Schall verstärkt und über Schächte auch in die anderen Stockwerke transportiert, damit möglichst viele zuhören können.

Zum Sonnenuntergang waren wir in Uçhisar. Das ist ein Ort am Taubental mit einem riesigen Burgfelsen, der komplett mit Höhlen durchzogen wurde. An einigen wenigen Stellen wohnen sogar noch Leute darin und haben sich Türen und Fenster in den Stein gesetzt.

Geschlafen habe wir in Göreme (Punkt A auf der googlemaps-Karte). Dort waren wir in einem sehr günstigen Hostel, dass zur Hälfte aus dem Felsen gehauen war. Allerdings sondert der Stein immer ein bisschen Wasser ab, deswegen waren unsere Sachen und auch die Betten ein wenig feucht, aber das hat nicht so viel ausgemacht, ich konnte dort besser schlafen als hier auf dem Campus.

Auf dem Weg ist noch eine Schafherde über die Straße gelaufen :)
Und am Straßenrand gibt es überall Melonenstände, wirklich einer nach dem anderen.
Und die scheinen auch gut frequentiert zu sein, weil man dort die Melonen frisch geerntet kriegt.

so stellt man sich das vor...Melonenstände Noch mehr TuffkegelDas Ihlara-TalEine der vielen FelsenkirchenFür die Tourisab durch den FlussTufffelsenDer Burgfelsenvom Burgfelsen mit Blick auf das Unser Hostel-ZimmerFeenschornsteine

Sonntag, 22.08.2010
Ich weiß gar nicht mehr, was wir am Sonntag noch gemacht haben. Nicht viel...
Ach doch, wir waren in einem Freilicht-Museum, in dem wir uns noch mehr Höhlen angeguckt haben (aber ohne Guide ist das ziemlich langweilig) und später waren wir noch Wein testen (schmeckte scheiße). Ich glaube, dann sind wir auch schon so ziemlich wieder zurück gefahren.
Auf dem Rückweg haben wir aber noch bei den "Feenkaminen" halt gemacht. Das sind Tuffkegel mit großen Steinen auf der Spitze.
Das kommt daher, dass die Gesteinsschichten unterschiedlich schnell erodieren und die Schicht zwischen dem Kegel und dem aufliegenden Stein schneller verschwindet als das Gestein dadrüber.

Eigentlich wollte ich ja heute abend auch noch die letzte Woche und dieses Wochenende fertig schreiben, aber jetzt ist es schon wieder nach 1Uhr morgens und die Lea muss dringend Bubu machen.
Ich hoffe, ich schaffe es noch, das fertig zu schreiben, bevor ich nach Mersin fahre, aber ich bin mir da nich so sicher.
Morgen ist der letzte Kurstag. Am Freitag fahren wir schon morgens um 7 (waaahhh! :(( ) los nach Amasra (am schwarzen Meer). Eigentlich geht die Tour nur einen Tag, aber ich habe eigentlich keine Lust, 4-5 Stunden pro Fahrt im Bus zu sitzen, nur um etwa 3 Stunden in Amasra zu verbringen. Aber ich bin bei weitem nicht die Einzige, der es so geht. Viele kommen gar nicht erst mit und wir haben mit einer kleinen Gruppe überlegt, ob wir einfach noch bis Samstag bleiben.
Ich habe jetzt für Sonntag Mittag ein Busticket nach Mersin. Ich muss mir unbedingt noch einen Stadtplan ausdrucken!
Ayben, eine Studentin hier in Ankara, deren Familie in Mersin lebt, hat mir angeboten, die ersten Tage bei ihr zu verbringen. Ich hoffe, das Angebot steht noch, weil bisher habe ich noch nichts gefunden.
Ich hoffe auch, dass ich ihre Adresse bei der Ausländerpolizei wegen der Aufenthaltsgenehmigung angeben darf, falls die überhaupt eine wissen wollen. Nur, damit ich überhaupt was angeben kann. Ich kann ja hinterher immer noch sagen, dass ich umgezogen bin.
So, jetzt aber gute Nacht!

20August
2010

Die zweite Woche, Szene 4

Freitag, 20.08.2010

Heute waren wir als im Museum für Zivilisation. Bäm, ist das krass, was die alles schon in der Steinzeit für Sachen hergestellt haben! Ich habe total Lust, mich mal in eine Vorlesung über Stein- und Bronzezeit zu setzen!
Noch ein subtiler Hinweis: Wenn ich aus der Türkei wieder da bin, wünsche ich mir ganz viele Bücher über stein- und bronzezeitliche Gesellschaften (über ihre Werkzeuge und wie sie Sachen hergestellt haben und so.  | r | e | a | d |  :)
Vor allem ist es spannend zu sehen, wie sich die Menschen im Vergleich zu den Tieren dargestellt haben. Auf den Höhlenmalereien sind die Tiere riesig im Vergleich zu den Menschen und je weiter man kommt, desto größer werden die Menschen im Verhältnis, bis sie dann irgendwann viel größer als die Tiere dargestellt sind.

Danach waren wir in der Zitadelle. Die Geschichte von dem Ort weiß ich nicht so genau, aber es hatte einen militärischen Touch und es ist der höchste Punkt der Stadt (zumindest so weit man gucken konnte), daher war es wohl wie die mittelalterlichen Burgen gedacht. Hoch und schwer einzunehmen.
Aber Bilder sagen mehr als tausend Worte :)
Oh, und Birgitt hatte mich gefragt, ob man von den Moscheen geweckt wird und jetzt glaube ich, wenn das morgens genau so laut ist wie mittags, dann ja. Hier habe ich euch ein Video hochgeladen und der Gesang hallt wirklich über die ganze Stadt. Sorry für das Rumgewackel, ich habe mehr auf den Sound als auf das Bild geachtet. Und der Link ist nur eine Woche aktiv. http://www.speedyshare.com/files/23890396/P1060632.MOV

Die ZitadelleSo mit Absichern wäre ja auch langweilig...Lea am AbgrundEin Rasiertischchen für draußenHauptsache, es hältSuus am Abgrund40°C + Berg hochsteigen + Essen = AbbioccoDas Nicht-den-Draht-berühren-Spiel für Fortgeschrittene

 

Und morgen um 5:30 geht's los nach Kapadokya.

19August
2010

Die zweite Woche, Szene 3

Donnerstag, 19.08.2010

Der Test heute war lächerlich einfach. Wir durften keine Wörterbücher benutzen, aber das war auch kaum nötig. Wahrscheinlich weil beim letzten Test ein paar den Textteil richtig in den Sand gesetzt haben und damit am Ende auch alle die Mindestpunktzahl haben, war der Text heute so einfach, dass den auch wirklich jeder versteht.
Anders kann ichs mir nicht erklären, denn die Texte im Unterricht sind so schwierig wie eh und je.
Am Ende des Tages haben wir Slumdog Millionaire geguckt, allerdings mit englischen Untertiteln. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber sobald Untertitel da sind, lese ich sie auch. Als ich in der Originalversion von Inglourious Basterds war, habe ich sogar in den deutschsprachigen Szenen die englischen Untertitel mitgelesen...
Ansonsten habe ich eigentlich nicht viel gemacht, außer ein bisschen einkaufen und spazieren gehen. Oh doch, ich habe eine Flasche geschrumpft. Ich habe mich in den Aufenthaltsraum gesetzt, um da am Laptop zu arbeiten und wollte nicht immer wegen Tee hin- und herlaufen. Da dachte ich mir, ich könnte ja eine alte Flasche dafür nehmen. Da das Plastik ziemlich dünn war, habe ich schon erwartet, dass es sich verformt, aber ich wäre nicht ich, wenn ich es nicht trotzdem versuchen würde. Aber das Ergebnis war verblüffend: Mit heißem Wasser kann man Miniatur-Flaschen herstellen. Die Areale mit Prägung sind so geschrumpft, dass die Proportionen erhalten geblieben sind. Nur die glatten Teile haben sich verzogen.
Das ist ziemlich cool. Mal sehen, wenn mir das nächste Mal langweilig ist, werde ich versuchen, auch die glatten Areale gleichmäßig zu schrumpfen. Dann ziehe ich wenigstens auch einen Nutzen aus dem nicht vorhandenen Flaschenpfand.
Das ist das Schöne, wenn man Basteln zum Hobby hat (@ Anya: oder Hobbeln als Basti :D ), man hat immer und überall was zu tun...

18August
2010

Die zweite Woche, Szene 2

Mittwoch, 18.08.2010

Gestern abend hatten wir uns getroffen, um unser Wochenende in Kapadokya zu planen, sind aber nicht allzu weit gekommen, weil zuerst mehr Leute mitwollten als in den Bus passen und wir noch keine Rückmeldungen von Firmen mit größeren Bussen hatten. Deswegen treffen wir uns gleich noch mal. Seit gestern abend sind aber so viele abgesprungen (die ans Meer fahren wollen), dass wir jetzt doch wieder in den kleinen Bus passen...
Ich hoffe, das geht schnell heute. Ich habe keinen Bock auf diesen Heckmeck.
Außerdem muss ich noch für den Test morgen lernen. Die letzten Tage war ein bisschen Schlafmangel, deswegen ist das Stimmungsbarometer heute nicht so hoch. Und der Kurs ist gerade ziemlich anstrengend.
Ich habe das Gefühl, das die Sturzflut an neuen Vokabeln nie aufhört. Ich habs aufgegeben, auch nur ansatzweise alle Wörter aufzuschreiben, aber wann werde ich jemals wieder das Wort "Schutzpatron" brauchen? Oder "Hetiter"? Ich kann mich nicht mal daran erinnern, ob ich das Wort im Deutschen schomal benutzt habe (ich kenne es sowieso nur aus Age of Empires...). Aber diese Wörter, die ich wahrscheinlich in den nächsten 10 Jahren nicht mehr brauchen werde, kann ich mir natürlich super merken... Aber was yetişmek heißt, weiß ich schon wieder nicht, obwohl wir das heute mindestens 5mal hatten und das eigentlich ein wichtiges Wort ist (so viel ist hängen geblieben).
Ich frage mich, was für Einblicke das in das Werkeln des Gedächtnisses gibt.
Ist es so viel leichter, sich Unwichtiges zu merken, weil man weiß, dass es unwichtig ist und sich nicht darauf verkrampft, es wissen zu müssen? Oder ist es der Seltenheitswert?
Wie auch immer, im Moment ist das gerade ziemlich nervig.
Und das Geld aus der Miete, was sie der Putzfrau und den Wohnheimwächtern bezahlen, hätten sie auch in vernünftige Stühle investieren können.
Wenn man will, dass die Leute lange daran sitzen (irgendwofür muss die Aschenputtel-Ausganssperre ja gut sein), hätte man wenigstens nicht das allerbilligste Modell mit den krummen Beinen wählen können.
Eigentlich habe ich gar keine Lust, am Wochenende wegzufahren. Im Schatten rumliegen und Nichtstun klingt da schon wesentlich attraktiver.
Aber zum Wochenende werde ich hoffentlich wieder bessere Laune haben :)

So, und jetzt auf zum Treffen, wo ganz viele Leute ganz viele unwichtige Sachen sagen werden, aber man doch hingeht, um die 3 wichtigen Sätze zu hören.
Eigentlich dürfte ich mich nicht beschweren, normalerweise gehöre ich eher zu den Leuten, die die vielen unwichtigen Sachen sagen, aber trotzdem :)

Nachtrag: Wie man vielleicht gerade gemerkt hat, habe ich den letzten Eintrag nicht in meiner allerbesten Laune geschrieben. Ist schon wieder besser :)
Ich habe immer noch nichts für den Test gemacht, aber das Treffen ist ziemlich schnell in Detailfragen übergegangen, da konnte ich dann schnell wieder weg, das war ein bisschen Balsam für meine Laune. Dazu ein Kaffee (wer hätte gedacht, dass ich jemals schwarzen Kaffee mag?) und nicht mehr so viele Leute (jetzt weißt ich wieder, warum ich nicht in Berlin wohnen möchte).
Aber mit einer Person auf Dauer ein Zimmer zu teilen, mit der man dann auch noch die gleichen Kurse hat und mit den gleichen Leuten etwas unternimmt, das ist doch ein bisschen anstrengend. Es gibt einfach keinen Ort, wo man einfach für sich alleine sein kann - außer vielleicht im Waschmaschinen-Raum, aber das wäre dann doch ein bisschen freaky. Nächste Station: im Schrank verstecken :)

Jetzt aber endlich lernen! Ich verstehe nicht, wie die anderen das machen. Die vom Anfänger-Kurs müssen total wenig machen, aber auch die aus meinem Kurs sind die Hälfte der Zeit im Café. Ich weiß nicht, wie die gleichzeitig noch ihre Kurssachen erledigen...
Vielleicht müssen sie nicht so viele Vokabeln nachschlagen :(

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